Einstieg in den Zughundesport II

„Learning by Doing“ lautete unser Motto, während wir uns von einer Zughundesportart zur nächsten vortasteten. Rosa und ich starteten mit Canicross, fingen dann das Weitwandern an und landeten schließlich beim Dogscooter Fahren. Wir brachten uns alles selber bei, wobei wir für fachmännischen Rat insgesamt rund 600 km mit dem Auto durch Norddeutschland fuhren. Ich hoffte, dass ich stets verantwortungsbewusst handelte und Rosa durch eventuell fehlendes Wissen nicht schadete.

Je tiefer ich in Facebook-Gruppen ins Thema eindrang, desto öfter las ich, dass ein Einstieg in den Zughundesport ohne entsprechendes Seminar mehr oder weniger ein No-Go wäre. Nach eineinhalb Jahren im Sport stellte ich mir also die Frage: habe ich für Rosa und mich den falschen Einstieg gewählt? Christin Remmers von der zugHUNDEschule-NORD gab mir die Möglichkeit, an einem Einsteiger Workshop teilzunehmen, sodass ich eine Antwort auf meine Frage finden konnte.

Ich durfte kostenlos am Einsteiger Workshop der zugHUNDEschule-NORD teilnehmen. Dieser Beitrag stellt dennoch meine objektive Meinung dar.

Das Treffen und die Begrüßung

Verabredet waren wir an einem kalten aber sonnigen Sonntag um 9 Uhr auf einem Autobahnparkplatz bei Bad Fallingbostel, was für Rosa und mich eine Anfahrt von eineinhalb Stunden bedeutete. Als um 9:30 Uhr alle der gut zehnTeilnehmer vor Ort waren, fuhren wir in einer Kolonne nach Oerbke zu einem wunderschönen Flecken Natur, der an den Truppenübungsplatz Bergen grenzt. Wir versammelten uns alle um den Wagen von Christin. Diese bereitete das Equipment vor und begrüßte uns dann ganz offiziell. Die Hunde warteten derweil in den Autos. Es gab eine kurze Erläuterung, wie der Tag ablaufen würde. Eine grobe Einteilung des Tagesgeschehens gibt es hier nachzulesen.

Einweisung in die Scooter

Um 10 Uhr wurde uns grundlegendes Wissen zu den Scootern nähergebracht: Reifen, Bremsen, Lenker, Federgabeln, Schutzbleche, Rahmen, Trittbretter und alles, was noch so an einem Scooter dran ist. Wir erfuhren etwas zum Preis-Leistungs-Verhältnis, welches Modell für wen geeignet ist, wie viele Hunde vor einem Dogscooter laufen können und welche Jöringleine ideal ist. Des Weiteren wurden uns einige Scooter-Modelle vorgestellt, unter anderem der Kostka Hill Dog, der Tour Max Dog und der Mushing Max, ein Morxes, ein Tektoss, ein Gravity und mein Crussis Cross.

Nach den Dogscootern widmete sich Christin der richtigen Schutzkleidung: Helm und Handschuhe sowie gute Schuhe seien Pflicht! Mir dessen bewusst, hatte ich natürlich einen Helm mitgebracht. Als letzter Punkt in diesem Workshop-Teil wurde uns gezeigt, wie wir am besten auf den Dogscootern stehen, damit der Schwerpunkt an der richtigen Stelle ist, wir gut Schwung holen können und trotzdem sicher stehen.

Das Equipment

Kurz vor 11 Uhr wechselten wir zu den Zuggeschirren. Bevor jedoch auf jeden einzelnen Hund eingegangen wurde, erklärte uns Christin, welche verschiedenen Lauftypen es bei den Hunden gibt, welche Geschirrarten und worauf man bei der Anprobe achten muss. Auch hatte sie Tipps zum An- und Ausziehen der Geschirre und erklärte, welche Modelle sich ihrer Meinung nach nicht für den Zughundesport eignen.

Viele Teilnehmer – so auch ich – hatten ihren Hunden bereits Zuggeschirre gekauft – teilweise sogar maßgeschneidert. Die Urteile waren jedoch ernüchternd: Häufig saßen die Geschirre nicht richtig oder passten schlichtweg nicht zum jeweiligen Lauftyp des Hundes. Ich hatte durchaus das Gefühl, dass Christin mit ihrer Erfahrung ein sehr gutes Auge dafür hatte. Jeder Hund wurde einzeln beäugt und es wurde genaustens überprüft, wie die Geschirre saßen. Sowohl im Stand als auch in Aktion. Ganze 45 Minuten nahm sich Christin Zeit, damit jeder Hund in einem guten Geschirr laufen konnte.

Christin erklärt, welches Geschirr sich (nicht) eignet und warum

Die ersten Zugversuche

Punkt 12 Uhr konnte es dann auf die Scooter gehen. Die meisten Hunde kannten ihre Aufgabe noch nicht, weswegen die Halter als Köder dienten und sich Christin oder ihre Praktikantin auf den Scootern ziehen ließen. So waren immer zwei Gespanne zeitgleich unterwegs. Parallel wurde erklärt, wie man den Hunden das Ziehen beibringen kann. Im zweiten Durchlauf stellten sich dann die Hundehalter auf den Scooter und probierten sich aus.

Da einer der Hunde körperliche Beschwerden hatte, nahm sich Christin die Zeit, einen kurzen medizinischen Check-Up zu machen. Ansonsten schienen die meisten Teilnehmer mit den ersten Versuchen zufrieden zu sein und auch die Hunde waren motiviert bei der Sache.

Mittagspause und der Theorieteil

Nach einer Stunde auf den Scootern fuhren wir zu einer Teilnehmerin nach Hause, wo wir wundervoll bekocht wurden. Natürlich ging es bei den Gesprächen hauptsächlich um den Zughundesport. Für fast alle Teilnehmer war es das erste Mal auf einem solchen Workshop.

Im anschließenden Theorieteil, welcher weiterhin im Warmen stattfand, bekamen wir ein elfseitiges Skript, welches wir gemeinsam durchgingen, sodass Zeit für Fragen blieb. Wir bekamen Basiswissen zum Zughundesport für ein oder mehrere Hunde, Informationen zu Gefährten, Anspannungsarten und Equipment, klärten die Frage: welcher Hund eignet sich für welche Zugvariante?, erhielten Input zu Tranings-, Kommando- und Konditionsaufbau, bekamen Motivationsmöglichkeiten erklärt, erfuhren, worauf vor und nach dem Training zu achten ist, und bekamen einen Einblick, wie man einen Trainingsplan erstellen kann.

Der Nachmittag

Gestärkt und aufgewärmt ging es gegen 15 Uhr draußen weiter. Erneut durften die Hunde ziehen und die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, die unterschiedlichen Dogscooter zu probieren. Ein jeder kam auf seine Kosten und konnte die Hilfestellung von Christin und ihrer Praktikantin in Anspruch nehmen. Aufkommende Fragen wurden direkt beantwortet und so fuhr jeder, als gegen 17:30 Uhr die Sonne unterging, mit gutem Gefühl nach Hause.

Das Fazit

Habe ich für Rosa und mich den falschen Einstieg gewählt? So lautete eingangs meine Frage, die mich dazu bewogen hatte, selbstkritisch an diesem Workshop teilzunehmen. Ich wollte hinterfragen, ob ich wirklich verantwortungsbewusst gehandelt oder Rosa durch fehlendes Wissen geschadet hatte. War mein „Learning by Doing“ ein No-Go? Nein!

Für mich gab es nur wenige neue Informationen. Ich habe mich in den eineinhalb Jahren, seit wir mit Canicross begonnen haben, aber auch sehr intensiv mit dem Thema Zughundesport auseinandergesetzt. Die Informationen zu den unterschiedlichen Geschirren und Dogscootern habe ich bei den RuhrRoller-Dogs und bei Dogscooter-Erdmann eingeholt, musste dafür jedoch einige Kilometer mit dem Auto und einiges an Zeit in Kauf nehmen. Im Workshop wurde vom kleinen Hill Dog 3 von Kostka abgeraten, allerdings hätte es für Rosa und mich kein besseres Einsteigermodell geben können. Das zeigt wieder wie wichtig es ist, verschiedene Modelle Probe zu fahren und bei der Auswahl auf die unterschiedlichen Faktoren zu achten.

Dass ein Helm zur Pflichtausrüstung gehört, wusste ich bereits vor dem Seminar. Ich muss jedoch gestehen, dass ich zuhause immer ohne fahre. Zumindest für das Bikejöring werde ich zukünftig aber für mehr Kopfsicherheit sorgen, da ich dabei schon öfter brenzlige Situationen erlebt habe. (Beim Scootern mit Rosa bisher jedoch noch nie.)

Besonders gut hat mir die Geschirranprobe gefallen. Zwar sitzt Rosas Free Motion Harness von Nonstop-Dogwear gut, jedoch schränkt es sie im Galopp ein. Nach dem Probieren verschiedener Modelle machten wir per Smartphone eine Videoanalyse und fanden auf diesem Weg ein besseres Modell für Rosa: das Nansen Nome Harness, ebenfalls von Nonstop-Dogwear, welches ich Christin vor Ort direkt abkaufen konnte.

Der Theorieteil hatte eine angenehme Länge. Das Skript ist sehr verständlich verfasst und bietet einen guten Überblick über den Sport. Da viele Hobby-Zughundesportler unter den Teilnehmern waren, hätte ich mir persönlich noch mehr Informationen zu einem gelungenen Warm Up und Cool Down gewünscht. Ich denke die wenigsten Teilnehmer planen eine sportliche Karriere und stellen sich einen eigenen Trainingsplan auf.

Da Rosa bereits wusste, um was es beim Dogscootern geht, konnten wir im Praxisteil alleine eine Runde in der schönen Gegend fahren. Dabei wurde mir bereits klar: ich habe für Rosa und mich den richtigen Einstieg in den Zughundesport gewählt. Meines Erachtens habe ich verantwortungsvoll gehandelt und wir haben uns Schritt für Schritt dem Dogscooter genähert.

Für wen lohnt sich ein solches Seminar also?

Auch wenn ich guten Gewissens sagen kann, dass wir für uns den perfekten Weg gefunden haben, ist ein solcher Workshop für den ein oder anderen mit Sicherheit interessant und vor allem auch sinnvoll. Ich empfehle es…

… Hundehaltern, die am besten schon gestern mit dem Dogscooter Fahren begonnen hätten. (Die Zeitspanne zwischen dem Geschirr- und dem Scooterkauf betrug zwei Monate. Wie bereits erwähnt fuhr ich dafür 600 km. Beim Seminar hätte ich all-in-one gehabt und wäre nur 240 km gefahren. Die Kosten für den Workshop belaufen sich pro Mensch-Hund-Team auf 100 €.)

… allen, die mich nach einer Empfehlung für ein Zuggeschirr und einen Dogscooter gefragt haben. (Eine Onlineberatung ist schlichtweg nicht möglich. Hier muss ein Profi ans Werk!)

… unsicheren Personen. (Ein Seminar gibt Sicherheit! Es kommen gar keine unguten Gefühle oder Probleme auf, da jemand vor Ort ist und alle Fragen beantworten kann und helfend zur Seite steht.)

… zukünftigen Sportlern, die wenig Eigenmotivation haben, sich stundenlang mit dem Thema auseinander zu setzen. (…und dafür, wie ich, Zeitschriften inhalieren, Berichte lesen und mit anderen Personen fachsimpeln.)

… Direkteinsteigern ins Dogscootern. (Die körperliche Belastung beim Dogscooter Fahren ist noch einmal eine andere als beim Canicross. Wer jedoch bereits Erfahrung beim Joggen mit Hund hat, wird eher einschätzen können, wie viel dem eigenen Hund zuzumuten ist. Zudem weiß der Hund dann häufig schon, was von ihm verlangt wird.)

Alle anderen Personen, die sich selbst eine gehörige Portion gesunden Menschenverstandes zuschreiben und idealerweise schon im Zughundesport aktiv sind, kommen vermutlich auch ohne ein solches Seminar aus, sollten sich selbstverständlich aber bei der Wahl eines geeigneten Geschirres und des perfekten Dogscooters beraten lassen.

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