Einstieg in den Zughundesport I

„Kannst du mir ein Zuggeschirr empfehlen?“, „Mich würde interessieren wo man den Scooter kaufen kann und was er kostet.“ oder „Welches Zuggeschirr kann man am besten verwenden?“ – immer wieder erreichen mich Anfragen zum Einstieg in den Zughundesport. Unsere Fotos und Videos machen Lust auf mehr! Am liebsten soll es sofort losgehen, doch so leicht ist es leider nicht. In der Regel antworte ich, dass jemand mit geschultem Auge schauen muss, welches Geschirr zum jeweiligen Hund passt. Und wenn es ums Thema Dogscooter geht, führt eine online Beratung, oder gar eine Schnäppchenjagd, mit Sicherheit nicht zum erwünschten Ziel.

In diesem Beitrag berichte ich euch zunächst, wie Rosa und ich in den Zughundesport eingestiegen sind, ehe ich mich in Teil 2 dem Einsteiger Workshop der zugHUNDEschule-NORD widme und kritisch hinterfrage, ob ich nicht lieber mit einem solchen Seminar gestartet hätte.

Podenco & Husky – so unterschiedlich und doch so ähnlich!

Faszination Schlittenhunde

Schon als kleines Kind hatte ich ganz besondere Lieblingstiere: Wölfe! Ich verschlang jegliche Wolfsbücher, die wir im Buchladen ergattern konnten, wünschte mir Playmobil-Wölfe zu Weihnachten, schaute unendlich viele Wolfs-Dokumentationen und hörte abends zum Einschlafen CDs mit heulenden Wölfen darauf. Bis heute haben diese wundervollen Geschöpfe einen besonderen Stellenwert bei mir und mein Traum ist es, einmal einem Wolf in freier Wildbahn zu begegnen.

Natürlich ist es naheliegend, dass ich auch schon immer einen Hund haben wollte, am liebsten natürlich einen Husky – einen echten Schlittenhund. Ein Highlight war damals der Besuch eines Rennens im Harz. Zusammen mit meinem Vater sponn ich herum: irgendwann würde ich einmal selbst Musher sein! Zu meinem Leidwesen dauerte es jedoch gut 27 Jahre, bis ein Hund bei mir einziehen durfte. Es sollte mittlerweile ein Windhund werden, keinesfalls mehr ein Husky. Das Thema Zughundesport war überhaupt nicht präsent. Mir waren bei meinem Hund andere Eigenschaften, z.B. die Verträglichkeit oder die Ausgeglichenheit, wichtig.

Im Freilauf neben dem Fahrrad

Sport mit Rosa

Da der Sport schon immer zu meinem Leben gehört und Rosa als junge Hündin zu mir kam, stand außer Frage, dass sie mit mir zusammen aktiv werden würde. Neben ausgedehnten Spaziergängen gewöhnte ich sie schon bald an gemeinsame Jogging-, Fahrrad- und Inlinertouren. Sie lief meistens frei oder am Geschirr neben mir, obwohl sie Tendenzen zum Ziehen zeigte.

Im Juli 2016 wurde ich dann auf eine ebay-Kleinanzeige hingewiesen: nur gute 10 Minuten von unserem Heimatdorf entfernt suchte ein junges Mensch-Hund-Team Gleichgesinnte für den Einstieg ins Canicross. Ich musste erst einmal googlen, denn ich hatte keine Ahnung, worum es genau gehen sollte. Als ich dann aber Bescheid wusste, war ich angefixt: ein Gelände-Zughundesport? Genial! Schnell war klar, dass wir uns auf das Abenteuer einlassen würden.

Die Geschirr-Anprobe bei den Ruhr-Roller-Dogs

Das Equipment

So schnell wie ich JA zum Canicross gesagt hatte, so schnell wusste ich auch, dass ich in Punkto Zuggeschirr nicht sparen wollte. Das Angebot im Internet war nicht nur immens, auch hatte ich schlichtweg keine Ahnung! Und aus Erfahrung wusste ich: wer billig kauft, kauft zweimal! Nach einiger Recherche stieß ich auf die RuhrRoller-Dogs und vereinbarte einen Termin zur Geschirranprobe bei Silke Wahl in Dortmund. Über 200 km fuhren wir (one way), um in Dortmund mehrere Geschirre an Rosa zu testen. Letztendlich wurde es das Free Motion Harness von Non-stop Dogwear.

Als ich die vielen Dogscooter bei Silke sah, seufzte ich auf. Ich hatte vor unserem Besuch bereits die Special Edition 01 des Hunde-Outdoor-Magazins „dog & sport“ verschlungen und dort über diesen Sport gelesen: „Der Hund muss gesund, […] mindestens 12 Monate alt sein und mindestens um die 20 Kilo wiegen.“ – eine schwammige Aussage, die mir aber verdeutlichte, dass Rosa mit ihren 17 Kilo zu leicht für das Dogscootern sein musste. Dann aber wies mich Silke noch einmal auf das hin, was auch im Magazin zu lesen ist: „Eine pauschale Einschätzung [zur Zughundesport-Eignung], nur aufgrund eines Mindestalters und -gewichts, gehört in die Mottenkiste.“

Ich rollerte mit einem Scooter die Straße rauf und runter und nahm diese Infos mit nach Hause. Genau wie das Zuggeschirr und den Non-stop Dogwear Running Belt. Eine Jöringleine ließ mir Silke später per Post zukommen.

Extreme Wetterverhältnisse beim Zugspitz-Dogtrekking

Einstieg ins Canicross & Dogtrekking

Mit dem richtigen Equipment konnte das Training beginnen: im Zuggeschirr und über eine Leine mit mir verbunden, durfte Rosa auf ein Signalwort („Go!“) zu einer anderen Person laufen, die mit einem Leckerli lockte. Zunächst war der Abstand klein, dann dehnten wir ihn immer mehr aus. Das erste Mal lief Rosa so richtig auf Zug, als wir alleine joggen waren und vor uns ein Fuchs den Weg kreuzte. Zum Thema „Jagen“ gibt es in der Special Edition der dog & sport ein paar Zeilen: „Andererseits gibt es viele Hunde, […] die mehr oder weniger ernsthaft jagen. […] In diesen Fällen – und nur in diesen – kann die gezielte Nutzung der jagdlichen Motivation ein Segen für Hund und Mensch sein“. Das bedeutete für uns: Jackpot!

Rosa nach einer Fuchssichtung.

Wir probierten uns aber nicht nur im Canicross, sondern starteten auch das gemeinsame Weitwandern. Schnell lernten wir die Unterschiede zwischen einer Dogtour, einem Doghike und einem Dogtrekking kennen – die Länge macht’s! Von einer Dogtour spricht man bei Distanzen unter 40 km, von einem Doghike bei 40-80 km und alles, was darüber ist, nennt sich Dogtrekking. Im November 2016 absolvierten wir direkt unsere erste Dogtour im Harz. Im August 2017 wagten wir uns dann an das erste Dogtrekking.

Der Kauf des Scooters

Da Rosa beim Canicross und Wandern immer deutlicher zeigte, dass ihr das Ziehen lag, kam mir immer häufiger der Dogscooter in den Sinn und schließlich schrieb ich Reiner Erdmann-Donnert von Dogscooter-Erdmann an. Ich nannte die Rahmenbedingungen: ein Podenco-Mix mit etwa 17 kg, eine sportliche Hundehalterin mit knapp 60 kg, eher flache Feldwege und das Vorhaben, den Sport just for fun zu betreiben. Eine Antwort kam prompt und wir wurden nach Hannoversch Münden eingeladen, um ein paar Modelle zu testen. Diesmal waren es nur 100 km (one way), die sich für mich aber definitiv gelohnt haben.

Reiner machte einen sehr guten Job: er erklärte mir zunächst die unterschiedlichen Dogscooter im Laden, befragte mich zum Hund und zu mir, schaute sich das Zuggeschirr an Rosa an, gab Tipps, wollte wissen, wie ich mir den Sport vorstelle und nahm sich allgemein viel Zeit für uns. Geduldig beantwortete er die Fragen meiner Mutter und von mir und ließ mich im Anschluss die unterschiedlichen Modelle auf der Straße Probe fahren. Bremsen, Kurvenverhalten, Beschleunigen, Tritttechniken usw. waren Thema und am Ende entschied ich mich guten Gewissens für einen komplett ausgestatteten Kostka Hill Dog. Den Kauf habe ich bis heute nicht bereut, da er perfekt zu Rosa und mir passte (und teilweise noch immer passt).

Mittlerweile hat sich unser Fuhrpark erweitert: ein Crussis Cross 6.1 sorgt durch seine Scheibenbremsen für ein besseres Fahrgefühl bei Strecken, die viel bergab verlaufen. Geht es größtenteils geradeaus, nutze ich noch genauso gerne meinen Hill Dog.

Einstieg ins Dogscootern

Einer der Tipps von Reiner lautete, anfangs immer dieselbe Strecke zu fahren. Es ginge um Rituale, wie es auch in der dog & sport heißt. Bei Rosa und mir führte das aber tatsächlich eher zu einem durchwachsenen Ergebnis: tagsüber fand es Rosa schlichtweg langweilig, die altbekannte Strecke zu laufen. Wenn wir aber im Dunkeln losfuhren oder – Jackpot! – Wild vor uns hatten, fühlte ich mich wie auf einem römischen Streitwagen. Ave Caesar, morituri te salutant!

Rosa bei einer Rehsichtung. Das Fahren auf Asphalt stellt eine Ausnahme dar.

Ich begriff es erst im Dänemark-Urlaub: jeden Morgen fuhr ich mit Rosa vor dem Dogscooter über die Insel durch das Ferienhausgebiet, wo es vor Kaninchen nur so wimmelte. Und wir hatten den Spaß unseres Lebens! Sie zog wie ein echter Schlittenhund! Und endlich machte es Klick: die (jagdliche) Motivation hatte gefehlt. Fortan fuhren wir zuhause vermehrt in Waldgebieten, wo Rosa auch ohne Wildsichtungen richtig gut zog/zieht, oder in der Nacht, wenn tendenziell mehr Wild unterwegs war/ist. Auf diese Weise hatten wir viel öfter positive Scooter-Erlebnisse, sodass Rosa mittlerweile auch tagsüber super zieht. Der ganze Ablauf hat sich für uns ritualisiert.

Das Fazit und der heutige Stand

Insgesamt fuhren wir mit dem Auto 600 km, um kompetente Beratung in Punkto Zughundesport und das passende Equipment von der Fachfrau/dem Fachmann zu bekommen. Wir vertrauten zu keinem Zeitpunkt den Aussagen aus Facebook-Gruppen (diese kannten wir damals noch nicht), sondern holten uns anderweitig Informationen ein. Fachzeitschriften und -artikel gaben uns zusätzliches Hintergrundwissen.

Beim Training vertraute ich meinem gesunden Menschenverstand. Das Scootern ist und bleibt eine Ergänzung zu unseren sportlichen Aktivitäten: ausgedehnte Spaziergänge im Freilauf stehen weiterhin ganz oben auf unserem Freizeitplan, da Rosa diese sehr genießt. Beim Dogscootern sind die Strecken immer dem aktuellen Fitnesslevel angepasst. Die Touren werden nur langsam gesteigert und entsprechende Ruhepausen, sowie ein Warm Up & Cool Down, sind für uns selbstverständlich.

Rosa und ich haben uns Schritt für Schritt an den Zughundesport herangewagt: zunächst durch das ruhige Joggen nebeneinander, Fahrradfahren oder Inlinertouren, dann das Canicross und Wandern, bis hin zum Dogscooter-Fahren. Es benötigt Zeit und intensive Beschäftigung mit dem Thema, damit man mit seinem Hund richtig Spaß hat. Ob es für mich jedoch besser gewesen wäre, zunächst einen Workshop zu besuchen, erfahrt ihr in Teil II zur Reihe „Einstieg in den Zughundesport“.

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

2 Antworten auf „Einstieg in den Zughundesport I“

  1. Das liest sich sehr schön.
    Ich frage mich allerdings, wie es ist, wenn – unter der Maßgabe „Morituri te salutant“ – statt eines recht leichten PodencoMix unser kleiner Ridgeback-Koffer mit seinen bulligen und hochmotivierten 44kg vor dem Scooter seine Hundestärke demonstriert.
    Wir haben uns mit unserem Schatz bereits zu einem Carnicross Training/ Schnupperkurs angemeldet und sind gespannt, ob das unserem Wirbelwind liegt.
    Was wir in jedem Fall haben: Jagdtrieb…..
    VIEL Jagdtrieb…. und die übliche Ridgeback-Ignoranz im Rückruf:
    „Herrchen, schön das Du rufst, ich weiss wo Du bist, verlauf Dich nicht – ich finde Dich schon, aber jetzt muss ich los, ich hab einen Auftrag, Tschööööö…..“
    Wir hoffen, daß wir unserem Hund damit körperliche Auslastung geben können, die leider beim nur Gassi-gehen an der Schleppleine (Freilauf ist echt riskant wegen des vielen Wildes in unserer Gegend) nicht vollständig gegeben ist.
    Selbst wenn ich mit Ihr 10 – 15 Menschen-Kilometer laufe ist sie nicht wirklich müde und kann noch immer (Wild hinterher hetzen….)

    1. Lieber Frank, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Oh, wie du das schreibst, sind es dann wirklich die Totgeweihten, die grüßen, wenn dein RR anzieht. 😀 Hab ganz viel Spaß beim Seminar und lass dir ja keine Felgenbremsen andrehen. 😉 Liebe Grüße!

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