Zugspitz Dogtrekking 2017

Mit dem Zugspitz-Dogtrekking, kurz ZDT, war es wie mit so vielen anderen Dingen: einmal davon gehört, ließ es mich nicht mehr los. Also schrieb ich direkt nachdem mir dieses Event das erste Mal zu Ohren kam den Nicht-Veranstalter (dazu später mehr) an und bat um eine Einladung für das ZDT. Ich sollte mich im Februar erneut melden und nachdem ich das getan hatte, kam prompt die Nachricht: „[H]iermit lade ich dich und Jan recht herzlich zum Zugspitz-DT 2017 ein.“ Juhuuu!

Wochenlang fieberte ich dem 15. Juli entgegen, traf einige Vorbereitungen und ließ vor allem die Vorfreude von Tag zu Tag wachsen. Und am Ende kam leider doch alles anders als geplant…

Das ZDT

Das ZDT hat, wie oben geschrieben, keinen Veranstalter, da es keine öffentliche Veranstaltung ist, sondern ein Einladungslauf. Begrenzt ist das Dogtrekking auf 100 Nicht-Teilnehmer (oder wie man diese dann nennt) und ich habe mich sehr geehrt gefühlt, einer von diesen zu sein. Als Nicht-Teilnehmer wurden wir vom Nicht-Veranstalter mit regelmäßigen, urkomisch geschriebenen Newslettern versorgt, die trotz des Humors viele wichtige Informationen enthielten. Das „Wann? Wo? Wie?“ wurde also im Voraus geklärt. Das „Warum?“ eher nicht. Die Routen konnten ausgedruckt und ins Smartphone gespeichert werden und für alle weiteren Fragen gab es zum Glück Facebook.

Rosa und ich beim Hike

Jan (wie immer mitgefangen, mitgehangen), Rosa und ich wollten uns an den Doghike GoldEdition wagen, sprich: 41 km und 1307 Hm. Definitiv eine Herausforderung, doch lange Wanderungen waren Rosa und ich gewohnt und wie heißt es doch so schön? „Wir sind hier ja nicht zum Vergnügen.“
Es gab insgesamt sechs Distanzen: Bambini, Bambini GoldEdition, Doghike, Doghike GoldEdition, Dogtrekking und Dogtrekking GoldEdition – von 19 bis hin zu 85,9 km. Jede einzelne Distanz alles andere als ein Spaziergang! Und auf jeder Strecke gab es Kontrollpunkte, die man erreichen musste.

Die Unterkunft

Nur die Harten kommen in den Garten oder auf den Zeltplatz, der zeitgleich auch den Startpunkt vom ZDT darstellte. Wir glaubten natürlich zu den Harten zu gehören, hatten aber noch meine Mutter dabei und somit mieteten wir uns für zwei Nächte ein Appartement im Gästehaus Mack in Oberau, mit dem Auto 20 Minuten vom Nicht-Veranstaltungsort entfernt. (Man muss halt nur gute Ausreden haben, um das gemütliche Bett und die Dusche zu rechtfertigen!)

Unsere Ferienwohnung lag im zweiten Obergeschoss und hatte zwei Zimmer mit Doppelbetten, ein Wohnzimmer mit Küchenzeile, ein Badezimmer und einen großen Balkon. Sie verfügte über einen SAT-TV, kostenloses W-LAN und wir konnten optional Frühstück buchen (was wir jedoch nicht taten). Rosa war nach Absprache erlaubt und das Tiefkühlfleisch konnten wir in einem Gefrierfach aufbewahren. Der Vermieter war sehr nett und hilfsbereit.

Der Preis betrug 100 € pro Nacht für drei Personen, einen Hund, Kurtaxe, Wäsche und Endreinigung.

Der Nicht-Veranstaltungsort

Einer der wenigen wolkenfreieren Momente

Echte Füchse werden es gleich bemerkt haben: das Zugspitz Dogtrekking findet Jahr für Jahr an der Zugspitze statt! Und diese liegt im Wettersteingebirge. Es hätte mir gleich suspekt vorkommen müssen, denn der Name ist wohl Programm. Das Gebirge gehört zu den Ostalpen und liegt an der österreichischen Grenze. Die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands, ist 2962 m ü. NHN, man musste diese jedoch bei keiner Distanz erklimmen. Dafür gab es andere Gipfel, die Zwischenziele markierten. Jans, Rosas und mein höchster Punkt war der Osterfelderkopf mit 2050 m ü. NHN.

Startpunkt war, wie schon erwähnt, ein Zeltplatz – das Camping Erlebnis Zugspitze in Grainau. Es würde den Rahmen sprengen, von jeder Distanz die Route zu schildern, außerdem könnte ich das ohnehin nicht so gut wie der Nicht-Veranstalter, deswegen belasse ich es dabei, weiter unten die von Jan, Rosa und mir absolvierten Kilometer zu erläutern.

Die Ausrüstung

Damit ihr einen Eindruck davon bekommt, was wir auf einen geplant 41 km langen Doghike mitgenommen haben, gibt es hier eine Packliste, die eventuell nicht vollständig ist. Ich gebe aber mein Bestes:

  • Wanderschuhe (Jan bevorzugt einen hohen Schaft, ich einen niedrigen)
  • Wettersteingebirge-wetterfeste Kleidung (wir haben am Tag nach dem ZDT neue Regenjacken gekauft – hier hat unsere Kleidung schlichtweg versagt)
  • Rucksäcke (ich schwöre auf meinen Deuter Speed Lite, Jan war mit seinem Jack Wolfskin unterwegs)
  • Ersatzkleidung & Mikrofaser-Badetuch
  • Verpflegung für Menschen & Hund (Studentenfutter, Energieriegel, Bananen, Apfelschorle aus der Deuter Trinkblase, Wasser aus dem LifeStraw Go, Wasser für Rosa aus dem AutoDogMug von Highwave und getrocknete Sardinen für Rosa)
  • Geld & Ausweis (wir kamen an zwei Hütten vorbei, in welche wir jeweils einkehrten)
  • Smartphones & Powerbank & GoPro (zur Sicherheit, für komoot und zum Dokumentieren)
  • Stirnlampe
  • 1. Hilfe Paket (Sonnenschutz, (Blasen-) Pflaster, Ibu-Tabletten, Verbandszeug, Rettungsdecke, Desinfektionstücher, Nasenspray, Taschentücher, 6 Booties)
  • Zuggeschirr & Hüftgurt & CC-Leine  (von NonStop Dogwear)
  • Halsband & Fettlederleine
  • GPS-Tracker von Tractive (den Ortungscode hatten die Daheimgebliebenen)
  • Hundekotbeutel

Der Doghike

Früh am Morgen in Grainau

Schon früh klingelte in dieser Nacht der Wecker, weil wir allerspätestens um 5 Uhr morgens den Hike beginnen wollten. Nach Ankunft beim Erlebnis Camping Zugspitz verschlangen wir noch ein paar Bananen und schickten skeptische Blicke gen Himmel. Strömender Regen – ernsthaft?
Wir trugen unsere Startzeit in ein Buch ein, holten Rosa aus dem Auto und bedankten uns bei Petrus: der Regen hatte aufgehört! So wanderten wir bei langsam einsetzender Dämmerung los. Zunächst ging es durch den Ort Schmölz, dann durch Wiesen hindurch (kurzer Regenschauer!) bis nach Hammersbach und dort startete dann der erste Anstieg den Klammweg hinauf. Kurz zweifelte ich an meiner Kondition aber spätestens als Rosa konstant zog, war auch ich motiviert, den Hike zu absolvieren!

Jan und Rosa in der Höllentalklamm

Noch bevor Eintritt kassiert wurde, erreichten wir die Höllentaleingangshütte, passierten das Drehkreuz und feierten ein Wiedersehen mit Ronny, Sina, Choice und Fancy, die wir im Aktivurlaub mit Hund kennengelernt hatten. Wir tauschten uns kurz aus, machten das obligatorische Selfie und wanderten dann weiter. Hatte ich mich bis dahin über wettertechnische Trockenheit gefreut, war damit in der Höllentalklamm schlagartig Schluss. Gefühlt kam das Wasser von überall: oben, unten, rechts, links, vorne, hinten. Aber es war hammer! Teilweise ging es durch Schächte hindurch, über Brücken über die tosende Klamm, Felsentreppen hinauf…

Aus der Klamm heraus, setzte ´langsam aber sicher ein konstanter Nieselregen ein. Über den Stangersteig ging es weiter bergauf bis hin zur Höllentalangerhütte. Praktischerweise hatte diese um 7 Uhr längst geöffnet und so gab es Kaffee für Jan, eine heiße Schokolade für mich und Fische für Rosa. Die Hummeln im Hintern trieben uns jedoch bald weiter. Draußen trafen wir Becci und Jette mit Begleitung, die ich von Wanderungen aus dem Harz kenne.

Der Hupfleitenjochsteig bildete die nächste Etappe. Leider hingen die Wolken so tief um uns herum, dass wir um so gut wie nichts sahen. Ansonsten hätte ich vielleicht einen Anflug von Höhenrespekt gehabt, doch so ging es nur an einer Felswand entlang, immer wieder bewässert von Wasserfällen, die den Pfad säumten. Außerdem mussten wir über Felse klettern. Höher, immer höher.

Begeisterung sieht anders aus

Die Knapphäuser bildeten den perfekten Unterschlupf, als es mit einem Mal wie aus Kübeln zu gießen begann. Spätestens jetzt waren wir bis auf die Knochen durchweicht und Rosas Blick sprach Bände. Während ich schon ahnte, dass der Vollzug des Doghikes GoldEdition Überzeugungsarbeit fordern würde, wuchs in Jan der Wunsch, die Route abzukürzen, sollte es nicht aufhören zu regnen. Das tat es zwar zwischendurch, jedoch nur um danach gleich wieder ordentlich zu schütten. Trocken war nur noch der Inhalt der Rucksäcke – immerhin!

Der Aufstieg zur ersten Kontrollstation forderte Jan einiges ab. Sowohl konditionsmäßig aber auch von den Muskeln und vom Kreislauf her ging es ihm nicht gut. Rosa und ich warteten natürlich – es war offensichtlich, dass es Jan nicht gut ging. Und dass die Gesundheit jederzeit vorgeht – egal ob für Mensch oder Tier – war selbstverständlich.

Aus dem Nichts taucht die Alpspitzbahn auf

Spätestens als wir den Osterfelderkopf mit dem Restaurant erreichten und mit weiteren Nicht-Teilnehmern sprachen, die die Tour abbrachen, stand für Jan fest, dass dies auch seine Endstation sein würde. Wir waren durchnässt und uns war kalt. Für mich eine blöde Situation: Rosa und ich waren fit aber es schien niemanden mehr zu geben, der von hier aus weiter wollte. Und alleine durch die Wolkenbrühe? Nein, so weit reichte meine Motivation auch nicht mehr. Also bestellten wir uns warme Getränke, ich vertilgte ein Schnitzel und Rosa kringelte sich unter dem Tisch zusammen. Ihr war auch kalt. Also brachen wir nach 4:43 Std. unseren Doghike ab.

In der Alpspitzbahn: nass und enttäuscht

Um zurück nach Garmisch-Partenkirchen zu gelangen, nahmen wir One Way die Alpspitzbahn. Da wir noch lebendig waren, konnten sie es von uns nehmen: 17,- € pro Person und 4,- € für Rosa dafür, dass wir durch die Wolken nach unten transportiert wurden. Ziemlich krass, immerhin hätten wir wenige Tage später in der Schweiz (!) nur etwa 20,- € für eine ähnliche Bahn bezahlt. Für hoch UND runter fahren. Spätestens an diesem Punkt war meine Laune komplett im Eimer.

In Garmisch-Partenkirchen angekommen, liefen wir das letzte Stück zum Camping Erlebnis Zugspitze, trugen uns wieder ins Buch ein und fuhren zurück nach Oberau. Den restlichen Tag schliefen wir, verfluchten das Wetter, als sich die Sonne noch zeigte, und schlenderten noch einmal durch GaPa.

Das Fazit

Eine Woche nach dem ZDT, bin ich noch immer traurig und enttäuscht, dass ich nicht zumindest die Bambini-Distanz bis zum Ende gelaufen bin. Rosa und ich waren noch voller Energie und es fühlt sich schlecht an, mit einem DNF („did not finish“) aus der Nicht-Veranstaltung zu gehen. Gleichzeitig sind wir mit diesem Ergebnis nicht alleine: 37% der gestarteten Verrückten haben, wie so charmant ausgedrückt wurde, „ihr geplantes Ziel aus Vernunftsgründen auf 2018 verschoben“.

In diesem Sinne: ich bin froh darüber, dass wir alle gesund und munter wieder zurück gekommen sind und ohne Muskelkater die Urlaubswoche in der Schweiz genießen können. Gleichzeitig steht für mich fest, dass ich dem ZDT den Kampf ansagen und nächstes Jahr mit Rosa wiederkommen werde.

Vielen lieben Dank, Bernd, für das Nicht-Organisieren!

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10 Antworten auf „Zugspitz Dogtrekking 2017“

  1. Huhu Ihr Lieben,

    Ich bin immer wieder von eurem sportlichem Ehrgeiz fasziniert. Bei uns wäre ich wohl Jan gewesen und hätte schon viel früher aufgegeben. Für alle die Konfu Panda 2 gesehen haben „Mein alter Feind, die Treppe.“ Als Kind was an einem Hügel (ich nenne es Berg) aufgewachsen ist. Ist wohl mein alter Feind der Berg 🙂 ich habe so viel Respekt allein vor dem Versuch und drücke euch fürs nächste Jahr die Daumen.
    Und es macht mir Mut auch meine Traumwanderung in Angriff zu nehmen. Also erstmal Kondition paucken und dann nach Norwegen.
    Danke für die Motivation und den tollen Bericht.

    Liebe Grüße und nasse Küsse

    Eva und Kylar

  2. Ihr könnt trotzdem stolz auf euch sein! Tolle Leistung bei so einem Sauwetter die Zugspitze raufzustiefeln, zumindest anzustiefeln. Gesundheit geht nunmal vor und wenn der Partner am Ende ist, dann ist halt leider Schluss. Rosa sieht wirklich süß aus, so hochmotiviert, wie sie guckt. Aber das Wetter ist alles andere als einladend.

    Grüßle
    Sandra & Shiva

    P.S. Wenn ihr mal eine schöne Runde (21 km) laufen wollt, dann macht die 3-Burgen-Tour rund um Schramberg. Da geht es immer rauf und runter und man kommt an der Schildburg, Falkenstein (da waren Shiva und ich) und an Hohenschramberg vorbei bzw. kann einen Schlenker laufen.

  3. Wow, Respekt für deinen Ehrgeiz, dass du die Geschichte noch einmal angehen möchtest! Aber ich kenne das, wenn man sich erst mal etwas in den Kopf gesetzt hat 🙂 Aber sag mal, vielleicht täuscht es auch durch die Fotos: Der Rucksack, den Jan trägt kommt mir echt groß vor. Es war doch „nur“ eine Tagesetappe, oder? Da muss man ja schlapp machen… 😉 Ich wünsche euch auf jeden Fall eine erholsame Zeit in der Schweiz und drücke jetzt schon die Daumen für besseres Wetter im nächsten Jahr! Liebe Grüße von Andrea

    1. Hallo Andrea,
      ich trage den Deuter Speed Lite mit 20 l, Jan den Jack Wolfskin Highland Trail mit 42 l. Bei meinem Rucksack sagen immer alle: boaah, reicht dir das vom Volumen? 😀 Jan hatte in seinem Rucksack unsere Wechselklamotten – also trockene Shirts und ein Mikrofaser Handtuch. Der Rucksack war also nicht zum Bersten voll. 😉 In der Tat war mein Rucksack schwerer als der von Jan.
      Schweiz ist leider schon seit letztem Montag vorbei – die Arbeitswelt hat uns wieder.
      Liebe Grüße, Zissi

      1. Ah, o.k. und ich dachte schon, der arme Jan musste alles alleine tragen 😉 Auf dem einen Foto sah es nämlich so aus, als ob du gar keinen Rucksack hättest. Ich gehe ja auch sehr gerne mit möglichst kleinem Gepäck und schummel dann schon mal meinem Mann ein paar Dinge in seinen Rucksack…

  4. Das mit dem Nicht-Organisator verstehe ich ja immer noch nicht, oder habe ich etwas überlesen?
    Ansonsten bin ich aber nach wie vor neidisch, was Du Dir alles vornimmst mit Rosa.
    Dass Ihr die Zugspitze abgebrochen habt, kann ich bei diesen Wetterverhältnissen gut nachvollziehen.
    Liebe Grüße
    Carolin

    1. 😀 Es war keine Veranstaltung. Ohne Veranstaltung, kein Organisator = Nicht-Organisator. Bernd hat uns lediglich die Routen zur Verfügung gestellt und die Zwischenstationen ausgelegt. Ansonsten waren wir auf uns gestellt. 🙂

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