Urlaub mit Hund in der Toskana

„Gespannte Erwartung wird selten befriedigt“, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe, und doch erwartete uns in meiner Vorstellung etwas Wundervolles: Jan, Rosa und ich wollten unseren Urlaub in der Toskana verbringen – einer Gegend, die – laut Google-Bilder-Suche – geprägt ist von farbenprächtigen Landschaften, sanften Hügeln und viel Natur. Einer Region, die durch sonnige Tage besticht und Strände parat hält, welche die Herzen höher schlagen lassen. Wir gehen jedoch leider mit Herrn von Goethe d’accord: unsere gespannte Erwartung wurde nicht befriedigt und vermutlich wird es uns so schnell nicht wieder in die Toskana ziehen. Doch warum?

Allgemeines über die Toskana und die Anreise

Knapp 23.000 km² zählen zu der Region in Mittel-Italien und die Landschaften der Toskana gelten als historisch und kulturell bedeutend. Die typische Hügellandschaft, die Säulenzypressen und die Olivenbäume sind wohl das, was die meisten Menschen mit der Toskana in Verbindung bringen. Gleichzeitig fallen einem Städtenamen wie Lucca oder Pisa ein und auch der Archipel mit der Insel Elba ist nicht unbekannt. Hauptstadt und gleichzeitig beliebtes Touristenziel ist Florenz, wobei die Toskana allgemein viele Touristen anzieht. Aufgrund ihrer großen Fläche benötigt man viel Zeit, die unterschiedlichen Provinzen kennenzulernen. 14 Tage reichen da keinesfalls.

Aus dem Norden Deutschlands kommend, entschieden wir uns für eine Anreise durch die Schweiz inklusive Zwischenstopp bei Basel. Für 60,- CHF (knapp 53,- €) übernachteten wir in einem Bauwagen auf dem Rankhof und bekamen morgens noch ein leckeres Frühstück serviert. So konnte es am Folgetag weiter gehen – etwa 6,5 Stunden lagen laut Navigationsgerät vor uns. Für das Passieren der Schweiz benötigt man eine Jahres-Vignette, welche man für 36,50 € erwerben kann.*

In Italien muss man auf den Autobahnen ebenfalls Gebühren zahlen. An- und Abreise kosteten uns jeweils knapp 34,- €.**

* Stand: Januar 2018
** Stand: September 2017

Einreisebestimmungen & besondere Vorkehrungen

Wie in der gesamten EU, benötigt der Hund bei der Einreise nach Italien (und bei der Durchreise durch die Schweiz) einen gültigen EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip zur Identifizierung und eine gültige Tollwut-Impfung, die mindestens drei Wochen vor der Einreise erfolgt sein muss.

Des Weiteren ist es Pflicht, Leine und Maulkorb immer mit sich zu führen und bei Bedarf anzulegen. (Rosas Maulkorb hatte ich nach kompetenter Beratung bei tierisch und mehr bestellt.)

Da man sich im Mittelmeerraum befindet, muss man sich der Gefahr der so genannten „Mittelmeererkrankungen“ bewusst sein, die häufig durch Parasiten übertragen werden. Es ist also sinnvoll, seinen Hund gegen diese zu schützen. Obwohl ich sonst kein Freund von Chemie am Hund bin, bekam Rosa ein paar Wochen vor Abreise Advantix in den Nacken geträufelt und nach Heimkehr bekam sie vorsorglich eine Milbemax gegen einen möglichen Herzwurm-Befall.

Das Wetter

Da sich die Toskana über eine große Fläche erstreckt (die Ausdehnung von Nord nach Süd beträgt ca. 200 km, von Ost nach West ca. 165 km), ist es nicht möglich, eine pauschale Aussage zum Wetter zu machen. Wir waren im September in Italien und laut Klimatabelle schwanken die Temperaturen in der gesamten Toskana zu dieser Zeit zwischen einem Minimum von 12° C und einem Maximum von 26° C. Im Durchschnitt scheint die Sonne sieben Stunden und es gibt etwa fünf Regentage im Monat. Als wir ankamen, herrschte in Livorno ein extremes Unwetter, bei dem mehrere Menschen ums Leben gekommen sind und dem eine extreme Trockenheit vorangegangen war.

Die Unterkunft

Das eigentliche Highlight unserer Reise war La Casa Toscana – Tuscany Corner. Schon kurze Zeit nach unserer Rückkehr, verfasste ich einen Blogartikel über diese Unterkunft. Das typisch italienische Haus steht im Ort Siberia, welcher der Provinz Pisa angehört und im Herzen der Toskana liegt. Den Blogartikel gibt es hier zu lesen. Diese Wohnung kann ich wirklich jedem ans Herz legen!

Städtetrips mit Hund

Alle Ausflüge, die wir mit Rosa gemacht haben, waren absolut unproblematisch – allerdings muss man dazu auch sagen, dass Rosa meistens tiefenentspannt ist und ihr Menschenmassen nichts ausmachen. Wir wurden in den Städten nie dazu aufgefordert, Rosa den Maulkorb umzumachen. Für das Parken haben wir bis zu 8,- € gezahlt, abhängig von der Aufenthaltsdauer. Es muss einem bewusst sein, dass man die meisten Sehenswürdigkeiten mit Hund nur von außen betrachten kann. Auch in Restaurants sollte man zuvor lieber fragen, ob man den Hund mit reinbringen darf, da dies nicht selbstverständlich ist.

Volterra, Provinz: Pisa
Fahrtzeit ab La Casa Toscana: ~ 1 h

Ich gestehe: obwohl es heißt, Volterra sei eine der schönsten Städte der Toskana, war dies nicht der ausschlaggebende Punkt für unseren Besuch dort. In erster Linie reizte es mich, den Spuren der Volturi zu folgen – den Vampiren aus der Twilight-Saga. Aber es stimmt schon: Volterra ist wirklich schön und die zerfurchte Hügellandschaft drumherum reizvoll. 550 m ragt die Stadt aus der kargen Landschaft empor. Die mittelalterliche Festung ist von engen Gassen durchzogen. Viele kleine Geschäfte laden zum Bummeln ein. Das Teatro Romano ist besonders beeindruckend: Ruinen einer Bühne und mit Gras bewachsene Zuschauertribünen regen die Fantasie an, wie es dort wohl zu Bauzeiten (vor circa 2000 Jahren!) ausgesehen haben muss.

Livorno, Provinz: Livorno
Fahrtzeit ab La Casa Toscana: ~ 40 min

Schwere Unwetter hatten in der Stadt, kurz bevor wir sie besuchten, gewütet. Ganz abgesehen davon fehlte uns in Livorno der Flair, den wir in Volterra erlebt hatten. Die Fortezza Nuova – eine Festung aus dem 16. Jahrhundert – war, aufgrund der darin befindlichen Parkanlage, ganz nett. Darüberhinaus hat uns aber nichts wirklich begeistert und es gelang uns leider nicht, ein einziges gemütliches Café zu finden, weswegen unser Besuch in Livorno nur von kurzer Dauer war.

Lucca, Provinz: Lucca
Fahrtzeit ab La Casa Toscana: ~ 50 min

Was uns an Lucca am meisten gefiel, war wohl der extrem breite Wall, auf dem man die gesamte Stadt umrunden kann. Er ist mit Grün bepflanzt und bietet Ausblicke auf die umliegenden Berge sowie Einblicke in die Stadt mit ihren mittelalterlichen Gebäuden und Türmen. Im Ortskern herrschte Trubel, aber auch hier fanden wir kein wirklich gemütliches Café. Dennoch: Lucca ist einen Besuch wert. Die Piazza dell’anfiteatro, Innenraum eines römischen Amphitheaters, ist sehenswert.

San Gimignano, Provinz: Siena
Fahrtzeit ab La Casa Toscana: ~ 1 h 10 min

Der wohl schönste Städtetrip führte uns nach San Gimignano. Nicht ohne Grund zählt diese Stadt seit 1990 zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie ist das „mittelalterliche Manhattan“ oder auch die „Stadt der Türme“. Uns gefielen auf Anhieb die vielen alten Gebäude und die wunderschöne Aussicht über die Dächer der Stadt. Des Weiteren hatten wir das Gefühl, die Stadt sei besonders grün und hundefreundlich. In der Gelateria Dondoli aßen wir Weltmeister-Eis und beim Schlendern durch die Gassen fanden wir Ecken, an denen wir nur für uns waren und dem Touristenrummel entfliehen konnten. Unser Mittagessen nahmen wir mit Blick auf die hügellige Landschaft ein, während Rosa mitten auf dem Weg schlief.

Hundestrände

Einen hundefreundlichen Strand zu finden, erwies sich für uns als äußerst schwierig. Der erste Hundestrand, den wir besuchten, war ganze 60 m breit und bestand nur aus Kies. Die Umgebung war furchtbar hässlich. Der zweite Hundestrand befand sich bei Rosignano. Auf den ersten Blick ist der Strand perfekt (abgesehen vom Müll, den Souvenirverkäufern und der Fabrik im Hintergrund) – allerdings ist der Sand nur deshalb so weiß, weil das Meer in dieser Gegend mit Quecksilber verseucht ist – kein Ort für einen längeren Aufenthalt oder ein Bad im Meer.

Ein berühmter Hundestrand befindet sich in San Vincenzo, eine gute Stunde von La Casa Toscana entfernt: der Sandstrand, der einem ausgedehnten Pinienwald vorgelagert ist, lädt zu längeren Spaziergängen ein. Die vielen Parkplätze im Inland und die Sonnenliegen ließen jedoch erahnen, dass es in der Hauptsaison wohl sehr voll werden kann. Für uns und Rosa war dies jedoch ein sehr schöner Ausflug. Rosa hatte viel Spaß beim Toben durch den Sand.

Tagesausflug nach Elba

Die Insel Elba liegt im Nationalpark Toskanischer Archipel und ist vielen ein Begriff, da Napoleon dorthin verbannt worden war. Wenn man ausgestoßen wird, dann ist Elba mit Sicherheit nicht der schlechteste Ort! Nur knapp 10 km vom italienischen Festland entfernt, erreicht man die drittgrößte Insel Italiens in kurzer Zeit. Das, was wir von den 224 km² kennenlernen durften, war so schön, dass wir bereuen, nicht direkt auf Elba Urlaub gemacht zu haben.

Wer einen Tagesausflug plant, sollte definitiv versuchen, gleich in der Früh die erste Fähre (ab Piombino nach Portoferraio) zu nehmen. Für zwei Erwachsene und einen Hund kostet die Überfahrt gut 70,- €*. Für das Parken des Autos auf einem bewachten Parkplatz sollte man zusätzlich etwa 8,- € einplanen. Wie in allen öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht auch auf der Fähre Maulkorbzwang. Auf der Hinfahrt mussten wir Rosa den Maulkorb nicht ummachen, auf der Rückfahrt schon.

So wie es sich lohnt früh auf der Insel zu sein, lohnt es sich auch, sich vorher einen Plan zu machen, was man sehen möchte. Wir hatten uns für einen Besuch des Monte Capanne entschieden, mit 1019 m s.l.m. der höchsten Erhebung der Insel. Um zur Talstation zu gelangen, mussten wir uns Tagestickets für den Bus kaufen (11,- €) und auch in diesem musste Rosa den Maulkorb tragen. Auf die angegebenen Fahrtzeiten darf man sich nicht unbedingt verlassen und man sollte lieber einen Zeitpuffer einplanen (unser Bus fuhr 90 statt 40 min). Ebenfalls ist damit zu rechnen, dass die Busse stark überfüllt sind. Für manch‘ einen wäre es somit eventuell sinnvoller, sich ein Auto zu mieten.

Die Gondeln, die auf den Berg führen, sind sicherlich nicht für jeden Hund (und Menschen) geeignet, da sie sehr eng sind. Zwischen 13 und 15 Uhr ist die Gondel wegen der Mittagspause außer Betrieb. Es ist möglich, den Monte Carpanne zu Fuß zu besteigen – wer fit ist, benötigt hierfür etwa 1,5 Stunden. Eine Einzelfahrt mit der Gondel kostet für zwei Personen und Hund 24,- € und dauert etwa 18 min. Ein Besuch des Berges lohnt sich unbedingt! Von ihm aus hat man eine geniale Aussicht über die Insel und das tiefblaue Mittelmeer.

Zuletzt blieb uns noch Zeit, Portoferraio zu erkunden: der Strand – wenn auch aus Kies – lädt zum Baden ein und auch Hunde sind erlaubt. Tatsächlich sind Hunde an fast allen Stränden der Insel erlaubt. Sollte man Elba besuchen wollen, ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich mit den genauen Inselregularien auseinander zu setzen.

* Stand: September 2017

Mein Fazit

Schaut man sich die Fotos an und liest man die Beschreibungen zu den Städtetrips (und vor allem zu Elba!), könnte man meinen, dass der Urlaub in der Toskana ein absolutes Highlight gewesen ist. Warum gehen wir also d’accord mit Goethe? Was hat den Urlaub getrübt? Warum nicht noch einmal Toskana?

Nun, das Wetter war nicht so toll wie wir es uns vorgestellt hatten: bewölkt, Regen, teilweise kalt, windig, stürmisch – natürlich auch mal Sonne, aber eben nie so perfekt wie gedacht.
Um zu den Sehenswürdigkeiten zu gelangen, mussten wir relativ weite Fahrstrecken in Kauf nehmen. Mit dem Hund ans Meer zu gelangen, war eine wahnsinnige Herausforderung.
Man sollte als Tourist auf der Hut sein, dass man nicht über den Tisch gezogen wird – so wurden wir an der Tankstelle um 15,- € betrogen und trotz gültigem Fährticket versuchte man auf Elba, für Rosa noch einmal 16,50 € zu berechnen.
Dazu kam, dass Rosa leider den gesamten Urlaub über krank gewesen ist und Husten gehabt hat, was mich Schlaf und Nerven gekostet hatte.
Und leider ist die Toskana im Herbst nicht annähernd so farbenfroh, wie es die Google-Bilder-Suche verspricht.

Fairerweise muss ich sagen, dass wir natürlich nur einen Bruchteil dessen gesehen haben, was die Toskana zu bieten hat. Somit waren wir vielleicht einfach nur „zur falschen Zeit am falschen Ort“. In dieser Konstellation würde es uns jedoch nicht noch einmal in die Toskana ziehen – höchstens nach Elba oder zu einer anderen Jahreszeit und dann vermutlich weiter in den Süden.

Eins habe ich aber ganz sicher gelernt: bei der nächsten Urlaubsreise werde ich die Erwartungen direkt herunterschrauben, um nicht zu sehr enttäuscht zu werden.

••• Du folgst uns noch nicht auf Facebook? •••
Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben
••• Mit Fotoalbum zum Toskana-Urlaub •••

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.