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„Duuu, hast du Sonntag schon was vor? Sag bitte, bitte ‚Nein‘!“ – wenn euch Jessica vom Husky-Team-Lügde eine solche Frage stellt, dann wird es zu 99,9% abenteuerlich. Entweder man findet sich nachts irgendwo im Wald wieder, man kommt matschbesudelt nach Hause oder aber – wie in diesem Fall – man wird zu einer Kanutour geladen. Zum Glück bin ich sehr spontan und somit sagte ich zu. Kanu mit Hund – warum nicht? Ein Regenguss am Vortag hatte die Luft merklich abgekühlt und somit meine einzige Sorge, es könne im Boot für die Hunde zu heiß werden, genommen. Gemeinsam mit Rosa ließ ich mich also auf dieses Abenteuer ein.

Kanu Schumacher

Für die Organisation war Jessica zuständig. Bereits vor zwei Jahren ist sie mit Kanu Schumacher unterwegs gewesen und wollte eine solche Tour nun mit Hund ausprobieren. Das ist bei diesem Anbieter möglich! Bei den FAQ steht auf die Frage „Kann mein Hund mit ins Boot?“ geschrieben: „Natürlich. Wir sind ein tierfreundlicher Betrieb und haben schon viele Hundeherrchen und -frauchen samt Vierbeiner aufs Wasser gebracht. Hunde paddeln kostenfrei mit. Bei größeren Hunden bitten wir um Vorankündigung.“

Jessica hatte uns mit Alaska und Rosa angemeldet – natürlich direkt für die längste Strecke von Trendelburg nach Bad Karlshafen, für die man vier Stunden einplanen sollte. Pro Person bezahlten wir bei Ankunft 30,- EUR. Das ist, wie ich finde, ein absolut fairer Preis und ließ mich später zum Entschluss kommen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut ist. Neben Kanutouren auf Weser und Diemel (u.a. auch Mehrtagestouren) werden Bogenschießen und Mountainbiking angeboten. Es gibt mehrere Standorte und der Anbieter ist zertifiziert vom Wasser Tourismus Deutschland.

Die Diemel ist ein 110,5 km langer Fluss, deren Quelle im Rothaargebirge liegt. Ab Trendelburg windet sich die Diemel auf etwa 17,5 km durch ein Landschaftsschutzgebiet, ehe sie als südlichster Fluss in die Weser mündet. Neben idyllischen Streckenabschnitten gibt es auch immer wieder Stromschnellen und drei Passagen, an denen man das Kanu umsetzen muss, sodass die Tour definitiv nicht langweilig ist.

An Board

Ohne die Checkliste auf der Webseite von Kanu Schumacher gesehen zu haben, nahm ich das Wichtigste mit: ich hatte einen Bikini an, ein Handtuch dabei, eine Cappy, ein Strandtuch, Essen und Trinken, mein Smartphone, Sonnencreme und Hundeleckerlis. Wasser für Rosa war nicht im Gepäck, immerhin fuhren wir auf der Süßwasser-führenden Diemel. Alle Sachen konnten wassergeschützt in einer Gepäcktonne verstaut werden.

Da nur die großen Kanus auf der Weser fahren dürfen und wir auf dieser in Bad Karlshafen wenige hundert Metern fahren mussten, war unser Kanu ziemlich groß und schwer. Dies bedeutete aber, dass wir genug Platz an Board hatten. Die freundlichen Mitarbeiter vor Ort rüsteten uns komplett mit Paddeln, Schwimmwesten und einem Informationsblatt aus und erklärten uns noch einmal genau, worauf wir achten mussten. Kurz und knackig, wie ich es mag!

Gegen kurz nach 14 Uhr saßen wir in unserem Kanu: Alaska im Bug, gefolgt von Jessica, hinter ihr die Gepäcktonne, dann kam Rosa und zuletzt – als Steuerfrau – ich. Alaska war etwas zögerlicher eingestiegen, während Rosa sogleich ihren Platz eingenommen hatte. Im Boot chillte sich Alaska direkt in seine Ecke und Captain Rosa Sparrow genoss die Aussicht. Es macht sich eben bezahlt, die Hunde immer wieder solchen Situationen auszusetzen.

Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren…

Ich befürchtete, dass Selbstsicherheit vor dem Kentern kommen würde, als unser Kanu die ersten Stromschnellen erreichte und sich drehte. Mit leichter Panik in der Stimme verstauten wir die Smartphones schnell wieder in der Tonne und beschäftigten uns intensiver mit der Steuerung des Bootes. Schlau wie ich bin, hatte ich natürlich die hintere Position im Boot eingenommen und konnte so Jessica antreiben und sie anmaulen, wenn sie nicht kräftig genug paddelte. Arrr! Sie ist eben auch nur eine Landratte!

Alaska, die alte Sprotte, hielt am Bug Ausschau nach Piraten, während Rosa, die Maid, die Enten im Visier behielt. Ein oder zweimal war sie kurz davor, die Wasserhürde zu nehmen, besann sich aber im letzten Moment, schließlich ist die Señora ja wasserscheu. Zu heiß wurde es den Hunden nicht, denn die Diemel verläuft größtenteils unter Bäumen, welche uns immer wieder Schatten spendeten. Auch zog es zum Abend hin etwas zu, sodass wir es bei knapp 30°C  wirklich angenehm im Kanu hatten.

Wie schon erwähnt, relaxte Alaska vorne im Boot. Rosa setzte sich maximal hin – zum Liegen war es ihr zu unbequem. Selbst das Handtuch konnte sie nicht überzeugen, dennoch hatte ich das Gefühl, dass sie sich wohl fühlte. Die gesamte Tour war ein Abenteuer für die Sinne: das Boot schaukelte hin und her, die Enten schwammen vor uns weg, die Insekten brummten durch die Luft und es duftete herrlich nach Sommer. Nur auf die Bremsen hätten wir verzichten können, wobei alles erträglich war.

Umsetzen! Aye, Aye!

Dreimal wurde unsere Kraft herausgefordert: an den Wehranlagen mussten wir samt Kanu das Wasser verlassen, das Kanu an eine tiefer gelegene Stelle ziehen und wieder einsteigen. Diese Minuten konnten die Hunde nutzen um sich zu lösen (selbstverständlich haben wir die Hinterlassenschaften entfernt) und an der zweiten Wehranlage gab es eine Badestelle, wo Rosa zunächst unfreiwillig baden ging (sie wollte Enten jagen… dafür wurde sie mit Kielholen bestraft*), ehe wir beide noch zusammen die Kühle des Wassers genossen. Eine herrliche Erfrischung!

Beim letzten Umsetzen passierte es dann: hochmütig beließen wir alles im Boot, als wir dieses wieder zu Wasser ließen, und mein Paddel verabschiedete sich in die Strömung der Diemel. Es galt schnell zu sein, also stiegen wir ein und Jessica musste alleine paddeln. Wie in Hollywood sahen wir das grüne Antriebswerkzeug vor uns im Wasser treiben. Jessica paddelte um unser Leben, während vor uns Stromschnellen auftauchten. Nur noch wenige Sekunden, dann würde uns das Paddel vom Sog der Weser entrissen werden. Mit einem letzten Aufbäumen erreichte Jessica das Paddel. Unsere Rettung!

Das letzte Stück führte uns flussaufwärts über die Weser. Die Arme wurden schwächer, die Nacken steifer. Nach knapp fünf Stunden und 17,5 km erreichten wir den Endpunkt. Überglücklich darüber, wie toll die Hunde mal wieder mitgemacht haben, wurden wir nett und freundlich in Empfang genommen und anschließend zurück nach Trendelburg gefahren.

*nicht

Das Fazit

Oben erwähnte ich schon, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis top ist. Am Ablauf gibt es rein gar nichts zu bemängeln. Nach dem zweiten Wehr hatten wir bei Kanu Schumacher angerufen und es hatte pünktlich jemand parat gestanden, um uns abzuholen. Das Team vor Ort ist jung, dynamisch und sehr sympathisch, sodass wir uns wirklich wohlgefühlt haben.

Dass Hunde willkommen sind, haben wir ebenfalls sofort gespürt. Es ist immer wieder toll, neue Dinge auszuprobieren und schon jetzt freue ich mich, irgendwann noch einmal Kanu zu fahren. Vielleicht sogar wieder auf der Diemel, weil mir das Landschaftsschutzgebiet sehr gefallen hat. Aufgrund der vorherigen Regengüsse war das Wasser jedoch sehr trübe.

Besonders lustig und abenteuerlich waren natürlich die Stromschnellen. Das Kanu nahm dann ordentlich an Fahrt auf und immer wieder schwappte Wasser über den Bug (ganz zur „Freude“ von Alaska). Wir behielten aber alle unsere gute Laune und lachten über Missverständnisse beim Steuern. Letztendlich war es für alle Beteiligten ein schöner Tag, der nach Wiederholung schreit.

Danke, Jessica, dass du uns mitgenommen hast. Gerne wieder!

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

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