Ith-Hils-Weg Dogtrekking

Eigentlich war die Sache recht schnell in trockenen Tüchern: Jessica hatte Lust auf ein Dogtrekking und ich suchte jemanden, der mit mir den Ith-Hils-Weg wandert. Was lag also näher, als beides miteinander zu verbinden? So verabredeten wir uns für das erste Wochenende im August, um zusammen mit dem Siberian Husky Jukka und natürlich Rosa in ein Abenteuer zu starten, welches am Ende alles andere als „in trockenen Tüchern“ sein sollte.

Der Ith-Hils-Weg

Bereits seit Ende April sind Rosa und ich in regelmäßigen Abständen mit Rike und Cortao auf dem Weserbergland-Weg unterwegs. Dieser ist 225 Kilometer lang und führt von Hannoversch Münden nach Porta Westfalica. Er trägt die Zertifizierung „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Aber auch der Ith-Hils-Weg wurde im März 2016 damit ausgezeichnet. Dieser Rundweg ist etwa 81 Kilometer lang und sein Start- und Zielpunkt liegt – genau wie unser Heimatdorf – im Landkreis Hameln-Pyrmont.

Der Ith-Hils-Weg hat seinen Namen von den beiden Höhenzügen über die er verläuft: vom Ith, welcher mit 22 Kilometern Ausdehnung der längste Klippenzug Norddeutschlands ist, und vom Hils, der bis zu 480,4 m ü. NHN hoch ist. Der Weg passiert ebenfalls die Landkreise Holzminden und Hildesheim.

Der Hauptweg ist nahezu perfekt ausgewiesen: Orientierung bieten weiße Schilder mit dem Schriftzug „ITH HILS WEG“ und einem stilisierten Logo. Die sieben Etappen der Rundwanderung starten und enden jeweils an Orten, die nicht direkt auf dem Ith-Hils-Weg liegen. Über Zuwege, deren Schilder farblich differenziert sind, erreicht man den eigentlichen Weg.

Die Vorbereitung & das Equipment

Längere Wanderungen gehören bei mir und meiner Dogtrekking-Begleitung Jessica (ihr findet sie bei Facebook und auf ihrem Blog) schon lange zum Alltag mit Hund(en). Wir beide sind dem Zughundesport verfallen und betreiben diesen mit Sinn und Verstand sowie mit Herz und Seele.

Die Routenplanung gestaltete sich einfach, immerhin gibt es nur den einen Ith-Hils-Weg. Den Trail hatten wir in der Outdooractive-App eingezeichnet und Orientierung bot uns zusätzlich die Karte in der komoot-App. Jessica orderte noch rechtzeitig eine folienkaschierte und damit reiß- und wetterfeste Wanderkarte, die man ihr für 6,- € zzgl. Versandkosten zukommen ließ. Eine wirklich gute Idee, immerhin sind dort unter anderem die Schutzhütten eingezeichnet, von denen wir eine zum Übernachten nutzen sollten.

Es ist zwar durchaus möglich, die rund 81 km an einem Tag zu laufen, jedoch planten wir von Anfang an, mindestens eine Nacht im Freien zu verbringen. Nonstop stand für uns und die Hunde nicht zur Debatte! Startzeit sollte Freitagnachmittag sein und wir rechneten mit einer Rückkehr am Samstag im Laufe des Abends. Somit mussten wir uns näher mit dem Thema „Übernachtung im Freien“ auseinandersetzen.

Das A und O einer erfolgreichen Tour ist somit die Ausrüstung. Bei einem Dogtrekking – zu Deutsch auch „Hundeweitwandern“ genannt – gilt es mindestens 80 km zu bewältigen. Es kommt bei der Wahl des Equipments also auf das Nötigste an – hier geht es definitiv um Qualität, nicht um Quantität! Viele Wandertouren haben uns hierbei lernen lassen, was in einen Rucksack gehört und was besser zuhause bleibt. Dennoch galt es im Zuge der Vorbereitungen, das Gepäck sorgsam auszuwählen – auch in Hinsicht auf die Übernachtung.

Eine Auflistung meines Equipments gibt es HIER.

Freitag – Wanderung über den Ith

Rosa und ich wurden von Jessica und Jukka am Freitagnachmittag abgeholt. Ich hatte noch bis zum Mittag gearbeitet und zuhause noch einmal geduscht. Dann fuhren wir gemeinsam nach Coppenbrügge, dem Startpunkt des Ith-Hils-Weges. Um 14:25 Uhr ging es mit leckerem Smoothie in der Hand los. (Merke: so ein true fruits smoothie ist super lecker, allerdings trafen wir auf dem gesamten Ith-Kamm auf keinen Mülleimer und mussten die Glasflasche somit lange mitschleppen.)

Die ersten Kilometer des Weges waren mir – im wahrsten Sinne des Wortes – geläufig. Wir genossen die schönen Aussichten bei milden Temperaturen und heiterem bis wolkigem Himmel. Die Anstiege brachten uns ordentlich ins Schwitzen. Da jedoch ein Wind aufkam, wurden wir schön gekühlt und Ausblicke, wie der vom Ith-Turm, dem ersten Highlight der Tour, entschädigten den ein oder anderen Schweißtropfen.

Bereits vor Überquerung der L425 (eine ganz unübersichtliche Ecke – Vorsicht!), etwa auf Höhe des Krüllbrink-Steinbruches, sagte mein rechter Zeigezeh „Autsch!“. Wie wichtig ist doch eine durchdachte Vorbereitung! Mit buntem Pflaster um den Zeh ging das Wandern also schmerzfrei weiter.
Zumindest so lange, bis mein Fuß einen Ast übersah und ich bäuchlings den Boden küsste. Da aber Brennnesseln bekanntlich gegen Rheuma helfen sollen, warf mich das nicht aus der Bahn.

So ging es also Kilometer um Kilometer den Ith-Kamm entlang, den Blick immer wieder gen Süd-Westen, über Dörfer, Felder und Wälder. Auf dem Weg über umgestürzte Bäume und Felsen, nah an Bäumen und dichten Büschen vorbei. Hin und wieder mit Wildsichtungen – vor allem Rehe waren unsere ständigen Begleiter und Motivatoren für die beiden Jagdhunde.

Der dichte Wald ließ die Dämmerung früh eintreten. Da auf der Wanderkarte eine Gastwirtschaft für den Ort Holzen-Ith eingezeichnet war, sollte dies unser erstes wichtiges Ziel sein. Zwar wären wir nicht verhungert oder verdurstet, doch die Aussicht auf ein Kaltgetränk spornte uns an. In Holzen angekommen mussten wir feststellen: hier war der Hund verfroren. Zwar gab es einen Imbiss, doch dieser hatte längst geschlossen. Auf der Straße zur Luftsportvereinigung Ithwiesen herrschte ein reger Autoverkehr, sodass die Hoffnung wuchs, dass die „Klippen Klause“ auf hat. Und tatsächlich: auf der Terrasse saßen einige Herrschaften, die uns mit zwei Colas, frischem Wasser und einer Toilette versorgten. DANKE!

Obwohl wir für verrückt gehalten wurden, setzten Jessica, Jukka, Rosa und ich unser Abenteuer fort. Mit Betreten des Waldes mussten unsere Stirnlampen zur Tat schreiten, konnten uns vor einer Verirrung an großen Felsformationen jedoch nicht bewahren. Wir kraxelten auf und ab und es dauerte einen Moment, bis wir wieder auf dem richtigen Weg waren. Leider vertrat ich mir dort irgendwo das Bein und sollte die nächsten 24 Stunden beim Abwärtslaufen heftige Knieschmerzen haben.

Noch vor Mitternacht erreichten wir die Sohlhütte am Wilhelm-Raabe-Turm. Gemeinsam beschlossen wir, unser Nachtlager aufzubauen. Etwa 31 km waren wir bereits gewandert und die Hütte war komfortabel. Wir sortierten uns, fütterten die Hunde, aßen selbst noch eine Kleinigkeit und bereiteten dann unser Nachtlager: Rosa und ich in meiner Hängematte, Jessica auf der Bank und Jukka auf einer Decke am Boden. Gegen Mitternacht wünschten wir uns eine „Gute Nacht“.

… und lagen eine Stunde später noch immer hellwach da. Zweimal musste ich die Hängematte nachspannen, weil die Knoten-Generalprobe tags zuvor ausgefallen war, dann schliefen wir aber ein. Mitten in der Nacht wechselte Rosa ihren Schlafplatz von der Hängematte auf den Boden – es war einfach zu warm mit Isomatte, Schlafsack, Rosa und mir auf einem Haufen.

Samstag – Wanderung über den Hils

Der nächste Morgen startete vielversprechend. Um 5 Uhr standen wir auf (wir waren ja nicht zum Vergnügen unterwegs – oder doch?), räumten unsere Sachen zusammen und erlebten gegen 6 Uhr einen spektakulären Sonnenaufgang auf dem Wilhelm-Raabe-Turm. Im (Alp-) Traum hätte ich nicht gedacht, dass die Sonne wieder verschwinden könnte!

Wir stapften motiviert weiter und freuten uns wahnsinnig, dass es in Grünenplan einen Bäcker gab. Wir orderten Frühstück (Camping- und belegte Brötchen sowie Latte Macchiato) und benutzten die Kundentoilette – welch‘ ein Luxus! Danach genossen wir die Mahlzeit und unterhielten uns mit einer Frau. Mit den Hunden und den großen Rucksäcken weckten wir das Interesse vieler Leute! Und allesamt waren sie freundlich!

Unsere Freude bekam einen Dämpfer, als es gegen 8 Uhr die ersten Tropfen regnete. Zunächst ging es im Wald weiter, der den Niederschlag ein wenig abfing, doch relativ schnell zog auch Jessica ihren Regenschutz über den Rucksack. Bereits in Kaierde hatten wir beide nasse Füße.

Die Fahrenberghütte kam da wie gerufen. Nach dem kläglichen Versuch ein Feuer zu machen, wechselten wir lediglich Unterwäsche, Hosen und Socken. Aus den Plastiktüten, die Jessica eingepackt hatte, bastelten wir uns Sockenüberzieher, sodass unsere Füße zumindest die nächsten paar Kilometer trocken bleiben konnten. Ich hatte Glück, denn meine Jack Wolfskin Regenjacke hielt komplett dicht – die arme Jessica war aber komplett durchnässt. Eine Rotte aus neun Wildschweinen machte den Besuch der Schutzhütte dann zu etwas Besonderem. Auch wenn sie weit weg war, war es ein Erlebnis der besonderen Art!

Die Hunde, die jede Pause für ein Nickerchen nutzten und sich zusammenkugelten, zogen motiviert, als es gegen halb 12 weiter ging. Lange blieben die Socken nicht trocken – ich glaube meine waren bereits in Delligsen wieder nass. Aber immerhin hörte es gegen 13:30 Uhr auf zu regnen.

Trotzdem machten wir drei Kreuze, als wir die Reuberghütte erreichten. Und direkt im Anschluss große Augen, weil es Teppiche auf den Bänken gab! Es ist schon erstaunlich, über welche Kleinigkeiten man sich freuen kann, wenn man seit Stunden durch den Regen läuft und schmerzende Glieder (vor allem Füße und Schultern) hat. Und als ich dann auch noch groß prahlen konnte „ICH HABE FEUER GEMACHT!“ fühlte sich die Welt wieder besser an! Mit neuer Montur (obenrum) hockten wir am Feuer und versuchten unsere Socken zu trocknen. Das hat zu dem Zeitpunkt auch Sinn ergeben. Im Nachhinein war es aber natürlich totaler Quatsch, denn mit den angetrockneten Socken mussten wir ja wieder in die klitschnassen Schuhe. Stempeln wir es als Akt der Verzweiflung ab!

In der Nähe von Brunkensen befindet sich die Lippoldshöhle, direkt an der Glene gelegen, die durch den vielen Regen zu einem reißenden Strom geworden war. Die Höhle scheint wirklich einen Besuch wert zu sein, stand für diesen regenreichen Tag jedoch nicht auf unserem Programm.
Stattdessen ging es weiter und weiter und weiter den Hils entlang. Der Weg zog sich ins Unendliche. Strecken, die in der App wie wenige hundert Meter aussahen, nahmen Stunden in Anspruch. Und dann regnete es wieder – zum Glück nur kurzzeitig. Nur um zu einem späteren Zeitpunkt wieder anzufangen. Langzeitig. Und heftig. Sehr, sehr heftig.

Zwar pfeiften wir trotz schmerzender Schultern nicht aus dem letzten Loch, dafür ging aber unsere Motivation flöten. Kurz vor Salzhemmendorf bot sich uns der Ausblick über das letzte Stück des Trails. Zwei Bergkuppen entfernt lag Coppenbrügge. Hinter dem Berg. Ich bezweifelte, dass es tatsächlich nur noch 5-7 km wären und bekam es dann schwarz auf weiß: ab Salzhemmendorf sollten es noch 10,3 km bis zum Ziel sein. Ich schluckte. Damit wären wir laut komoot auf eine Gesamtdistanz von rund 88 km gekommen.

Während ein Teil meines Gehirns schnaufte, dass Aufgeben keine Option sei, wimmerte der andere, dass wir Jessica sofort zustimmen würden, sollte sie abbrechen wollen. Und das tat sie. Enttäuscht, durchgefroren, schmerzerfüllt, müde und aufgedreht beendeten wir unser Dogtrekking in Salzhemmendorf und ließen uns von dort abholen.
Beim Italiener teilten wir uns vorher Bruschetta, Jessica gönnte sich ein Radler, ich mir eine heiße Schokolade und Rosa brachte mich in Verlegenheit, weil sie sich auf dem Teppich schubberte und ihr zerzaustes Fell schüttelte.

Um kurz vor 22 Uhr beendeten wir unser Abenteuer Ith-Hils-Weg Dogtrekking.

Das Fazit

Erst der abgebrochene Doghike beim Zugspitz Dogtrekking und dann das! Wieder ein Ziel nicht erreicht. Laut komoot hätten nur noch knapp 2 km bis zur Dogtrekking-Distanz gefehlt. Das darf doch nicht wahr sein!
Knapp 31 Stunden waren wir unterwegs. Laut Jessicas Garmin-Uhr haben wir 88 km geschafft. Aber da haben wir deutliche Diskrepanzen zwischen den Apps, der Uhr und dem, was das Internet als Strecke vorgibt.

Ich kann nicht leugnen, dass es mich wurmt, dass ich ehrgeiziges Mädel schon wieder nicht das erreicht habe, was ich wollte. Es ärgert mich immens, trozt der 100% ehrlichen, korrekten und sinnvollen Kommentare von euch bei Facebook. Ihr habt ja Recht! Es stimmt: wir können stolz auf uns sein. Vor allem auf Jukka und Rosa, die bis zum Schluss (abgesehen von dem Mega-Regenguss) wie die Wilden gezogen haben. Wir haben eine Menge erlebt, eine Übernachtung im Wald gehabt, sind an unser Limit gegangen und fast den gesamten Trail gewandert. Die Tour hat uns zusammengeschweißt. Und wir sind alle gesund geblieben!!! (Und das ist das allerwichtigste!!!!!)

Der Weg war enorm. Wir hatten Schmerzen und besonders auf den letzten Kilometern habe ich viele Jammernachrichten versendet. Wir haben die Schilder, die wir nicht sofort gesehen haben, unschön betitelt, haben Abhänge verflucht, Petrus übel beschimpft und uns doch immer wieder über die aufmunternden Worte gefreut, die uns per Facebook erreichten.
Am Ende des Tages saßen wir nicht auf dem Trockenen – aber das ist im zweideutigen Sinne gut. Wir haben unsere Schäfchen, Jukka und Rosa, ins Trockene gebracht. Trotz Enttäuschung blieben die Augen trocken. Man könnte sagen, wir ertrugen das Ganze mit trockenem Humor.

Ob ich so etwas noch einmal machen würde?
Vor etwa einer Woche lautete meine Antwort: Niemals! Maximal 50 km. Mit Übernachtung.

Und heute? Vielleicht… wenn das Wetter mitspielt… mit der Erfahrung, die ich sammeln konnte. Na ja, warum nicht?

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben
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