Hund und Job – wie geht das? Part 4 [miDoggy Parade]

Wir sind am Ende der „Blogparade in der Blogparade“ angekommen. In den bisherigen Beiträgen erklärte ich, welche Voraussetzungen ich erfüllen musste, um Rosa zu mir zu holen (Part 1), wie ihre Integration ins Arbeitsleben aussah (Part 2) und wie unser durchschnittlicher Arbeitstag aufgebaut ist (Part 3). Aber die alles entscheidene Frage ist noch nicht abschließend geklärt:

„Hund und Job – wie geht das?“

Was macht Rosa, während ich als Ergotherapeutin am Patienten arbeite? Hat auch sie eine Aufgabe, obwohl sie keine ausgebildete Therapiehündin ist? Liegt sie bloß herum und erholt sich vom morgendlichen Spaziergang? Oder ist sie der sprichwörtliche „Klotz am Bein“ und macht mir das Arbeitsleben schwer?

Als Angestellte einer Praxis für Ergotherapie ist mein Arbeitsalltag stets abwechslungsreich. Ich habe das große Glück, meine Termine Woche für Woche eigenständig und nach meinen Bedürfnissen planen zu können, was die Mitnahme von Rosa ungemein erleichtert. Grob gesagt gibt es vier unterschiedliche Szenarien, die ich mit Rosa täglich durchlebe und hier nun vorstellen möchte:

Nummer 1 – Hausbesuche mit Rosa

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, begleitet mich Rosa bei über 73% der Hausbesuche. Diese können in Privathaushalten der Patienten, in Seniorenheimen, Tagespflegeeinrichtungen oder dem Taubblindenzentrum (TBZ) stattfinden. Bevor ich Rosa mitnehme, kläre ich selbstverständlich, ob es für alle Beteiligten – also für Familienangehörige, Pfleger, Mitarbeiter und natürlich den Patienten selbst – in Ordnung ist.

Mit Praktikantin Tiza im TBZ, März 2017

Da die Patienten in der Regel Dauerverordnungen haben, ist uns das Umfeld vertraut. Rosa hat ihre bevorzugten Schlafplätze und kommt auf diesen sehr schnell zur Ruhe. Diese können Teppiche sein, ihre eigene Decke, gemütliche Sofas und hin und wieder auch ein Sessel oder Stuhl.

Es gehört zur Routine, dass Rosa die Patienten begrüßt. Vor allem im TBZ geschieht dies immer überschwänglich, da zwischen Rosa und den Taubblinden eine echte Freundschaft zu bestehen scheint. Gemessen an Rosas freudigem Schwanzwedeln und den glücklichen Geräuschen der Patienten kann man daran nicht zweifeln!

In dieser Behindertenwerkstatt ist es auch Rosas Job, die Patienten vom Arbeitsplatz in den Therapieraum und wieder zurück zu begleiten. Vorsichtig führt sie sie an der Leine und wirft mir dabei Blicke zu, als würde sie fragen: „Ist das okay? Mache ich das gut?“ – Ja, das macht sie.

Elektrorollstuhl-Training bei bestem Wetter, September 2016

Während der Hauptteil einer Therapieeinheit ohne eine Interaktion mit Rosa stattfindet, binde ich sie für kleinere Abschnitte immer wieder mit ein: Ein Patient mit Motorikschwierigkeiten wird vor die Aufgabe gestellt, den kleinen Wirbelkarabiner an ihrem Halsband zu befestigen. Eine hochdemente Patientin, für die Rosa immer nur „Cocky“ ist – der längst verstorbene Cockerspaniel einer Freundin, freut sich ungemein, wenn sie Leckerlis geben darf und muss dafür (für sie schwierig!) einen Schraubverschluss öffnen.

Spielt das Wetter mit und tut es einem Patienten gut, gehen wir auch spazieren oder machen draußen Elektrorollstuhl-Training. Ohne Frage sind die die Einheiten, die Rosa am meisten liebt!

Nummer 2 – Hausbesuche ohne Rosa

Sie sind nicht zahlreich aber doch gibt es sie: Termine, zu denen ich Rosa nicht mitnehmen kann. Hierbei ist es jedoch nur in einem einzigen Haushalt der Fall, dass Rosa tatsächlich nicht erwünscht ist. Aber dies auch nur aufgrund einer hochgradigen Hundehaarallergie der Patientenehefrau.

Bei Regen überlegt sich Rosa zweimal, ob sie aussteigt, Februar 2016

Es gibt es einen Haushalt, in dem Kette geraucht wird und noch dazu ein distanzloser Schäferhund lebt. Um Rosa zu schützen, kommt sie auch dort nicht mit hin – meine Klamotten kann ich abends in die Waschmaschine stecken, Rosa nicht. Genauso distanzlos wie der Schäferhund und dabei noch laut ist ein Kleinkind bei einer anderen Familie. Auch hier ist es für Rosa das Beste, wenn sie nicht mit dabei ist.

Während solcher Termine wartet Rosa im Auto. Selbstverständlich unter Einhaltung der herkömmlichen Sicherheitsmaßnahmen (abgeschlossen, nicht überhitzt/unterkühlt und auf einem sicheren Parkplatz).

Das Warten kennt sie. Wenn ich zum Wagen zurückkomme, liegt Rosa zusammengerollt auf ihrer Decke und schläft tief und fest. Sind die oben genannten Maßnahmen nicht zu gewährleisten, besteht die Möglichkeit, dass Rosa in der Praxis bleibt.

Nummer 3 – Therapie in der Praxis

In der Praxis hat Rosa ihre eigene Decke im Büro. (Das gemütliche Sofa musste einem großen Schreibtisch weichen – ein neuer gemütlicher Schlafplatz ist in Arbeit! Versprochen!). Hier wartet sie, während ich mit den Patienten arbeite. Ich habe die Möglichkeit im Nebenraum zu arbeiten und die Tür offen stehen zu lassen. Auf diese Weise erfreue ich den ein oder anderen Patienten, der sie dann sehen und hin und wieder streicheln kann. Dies ist besonders für eine meiner Patientinnen schön, die selbst einen Hund hat und erst dann so richtig aus sich heraus und ins Erzählen kommt. Auch dem ein oder anderen psychisch Erkrankten konnte Rosa auf diese Weise ein Lächeln auf das Gesicht zaubern oder für ein wenig Ruhe sorgen.

Auszeit in der Praxis, September 2015

„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.“
(Hildegard von Bingen)

Nummer 4 – Ein Urlaubstag für Rosa

Ein typischer Urlaubstag: Spaziergang mit Kater Fidibus, April 2015

Ist es im Sommer besonders heiß oder im Winter besonders kalt, habe ich einen stressigen Tag vor mir, bin ich ohnehin nur wenige Stunden arbeiten oder passt es aus irgendwelchen andere Gründen nicht, dass Rosa mit zur Arbeit kommt, habe ich dank meiner Mutter die Möglichkeit, Rosa ab und zu zuhause zu lassen.

Meine Moa wollte nie einen Hund haben. Vor allem nicht im Haus. Dennoch macht es heute so manches Mal den Anschein, als würde es sie doch sehr (sehr) freuen, wenn Rosa bei ihr bleibt. Merkwürdig! 🙂 Ohne Frage ist die Wiedersehensfreude nach einem solchen Arbeitstag bei Rosa und mir riesig.

Hund und Job? Bei uns geht das sehr gut!

Rosa ist kein Therapiehund und doch unterstützt sie mich bei meiner Arbeit als Ergotherapeutin sehr gut. Selbst wenn sie „bloß herumliegt“ bewirkt sie etwas! Sie erfreut die Patienten, zaubert den Menschen ein Lächeln auf das Gesicht und der ein oder andere, der dem Alltagsstress zum Opfer fällt, hält inne und nimmt sich einen Moment, um sie zu streicheln. Sie ist alles andere als ein Klotz ein Bein und ich gebe es zu: seit sie in mein Leben gekommen ist, gehe ich lieber zur Arbeit.

Der talentierte Adam Creutzfeldt von crossfield.film hat einen wunderbaren Film über Rosa und mich gedreht. Mit diesem beende ich diese „Blogparade in der Blogparade“ und bedanke mich noch einmal bei Julia von miDoggy, die dieses spannende Thema auf den Plan gerufen hat. Und natürlich bei Rosa, ohne die ich das alles nicht erleben könnte.

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

3 Antworten auf „Hund und Job – wie geht das? Part 4 [miDoggy Parade]“

    1. Hallo lieber Jorka, vielen lieben Dank für den Kommentar. Wir melden uns, sollten wir mal wieder in Berlin sein 🙂 Und tut mir Leid mit dem namentlichen Faux-Pas 😀 🙂

  1. Rosa ist auch was Besonderes. Man muss sie einfach lieb haben und sie zaubert einem oft ein Lächeln ins Gesicht.
    Es macht Freude, die Blogs zu lesen!

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