Hund und Job – wie geht das? Part 3 [miDoggy Parade]

In Part 1 der „Blogparade in der Blogparade“ erklärte ich, welche Voraussetzungen ich erfüllen musste, damit Rosa bei mir einziehen konnte. In Part 2 beschrieb ich dann, welche Eigenschaften Rosa mitbringen musste und wie ich sie relativ kurzfristig in meinen Arbeitsalltag integriert habe.

Seit über zwei Jahren begleitet sie mich nun in meinem Job als Ergotherapeutin. Obwohl kein Tag dem anderen gleicht, lässt sich eine gewisse Grundstruktur erkennen.
Kann man diesen anspruchsvollen Beruf mit einem Hund an seiner Seite problemlos ausüben? Wird man seinem Hund während eines Arbeitstages zwischen Praxis, Hausbesuch und Pflegeheim gerecht?

Vor der Arbeit

Ein Sonnenaufgang Ende Oktober 2016

Morgens 4:50 Uhr. Der Wecker klingelt. Wie immer viel zu früh. Und wie immer dürfen mein Freund Jan und ich noch zehn Minuten schlummern. Dann ist der Alltag erbarmungslos und wir müssen aufstehen …

Rosas Schlummerphase dauert immer etwas länger und erst nach persönlicher Einladung erhebt sie sich. Sie gähnt dann, streckt sich und trottet in die Küche, wo ihr Kudde liegt. Der perfekte Platz um weiter zu schlummern!

Während Jan sich auf den Weg zur Arbeit macht, kümmere ich mich um den Haushalt: Bett machen, Spülmaschine aus- und Wohnzimmer aufräumen. Dann gibt es Frühstück. Für mich! Rosa bekommt erst abends ihr Futter. Wenn ich versorgt bin – vor allem mit Koffein! – ist es an der Zeit, dass Rosa in den Mittelpunkt des Geschehens rückt:

Je nach Müdigkeit, Wetter, Lust & Laune drehen wir unsere Morgenrunde. Meistens sind wir eine knappe Stunde unterwegs und laufen durch die Feldmark. Seit ich einen Dogscooter habe, benutzen wir diesen auch hin und wieder. Vor allem, wenn wir ein wenig in Eile sind.
Wieder zuhause angekommen, sorge ich für das letzte bisschen Ordnung und fahre uns dann im Auto die halbe Stunde zur Arbeit.

Der Vormittag

Im Taubblindenzentrum, Januar 2017

Wir beginnen den Tag häufig mit einem Hausbesuch. Zu über 73% der Patienten, die ich im häuslichen Umfeld oder in einer Einrichtung behandele, nehme ich Rosa mit. An den restlichen auswärtigen Therapieeinheiten nimmt sie nicht teil. Dies hat den Grund, dass ich sie vor Kettenrauchern, einem distanzlosen Schäferhund und einem lauten Kleinkind beschützen möchte. Lediglich bei einem einzigen Patienten darf Rosa nicht mit, da die Ehefrau allergisch auf Hunde reagiert.

Rosa kennt unsere Patienten und deren Umfeld genau. Während ich arbeite, hat sie ihre bevorzugten Liegeplätze (Teppich, Sofa, Stuhl, Hundedecke).
Pro Stunde ist ein Patient eingeplant, für den etwa 45 Minuten Therapiezeit und 15 Minuten Fahrtzeit angedacht sind. Zwischen 8 und 13 Uhr behandele ich also fünf Patienten.

Die Mittagspause

Rosas Hobby in der Mittagspause: Buddeln (Februar 2017)

Wenn der letzte Patient des Vormittages behandelt wurde, haben Rosa und ich idealerweise eine Stunde Zeit für uns. In dieser Stunde gehen wir spazieren: zum Beispiel durch ein kleines Waldstück, an der Weser entlang oder erneut irgendwo durch die Feldmark. Scheint die Sonne, setze ich mich auf eine Bank und ruhe mich aus, während Rosa die Zeit nutzt, nach Mäuschen zu suchen. Diese Auszeiten tun uns unglaublich gut und werden sehr genossen.

Ein wenig Zeit bleibt dann meistens noch, eine Kleinigkeit zu essen und sich mental auf den nächsten Patienten vorzubereiten.

Leider plane ich uns diese Zeiten derzeit nicht regelmäßig ein, ich nehme mir aber fest vor, dies zu ändern. Für Rosa und für mich!

Der Nachmittag

Rosa im Büro, Februar 2016

Ausgeruht und gesättigt von einem Mittagssnack, geht die Arbeit am Nachmittag weiter. Arbeite ich in der Praxis, liegt Rosa auf ihrem Platz im Büro und lässt sich von nichts und niemandem stören. Sie bleibt auf ihrem Platz und springt nicht auf, wenn jemand reinkommt oder rausgeht.

Manchmal, wenn ich weiß, dass sich ein Patient über ihre Anwesenheit freut, holen ich oder eine Kollegin Rosa zur Therapie dazu. Dann liegt sie auf ihrer Decke im Therapieraum.

Da wir selten ausschließlich in der Praxis zu tun haben – nur neun Termine pro Woche finden dort statt – finden auch am Nachmittag Hausbesuche statt. Spätestens um 18 Uhr machen wir Feierabend, dann fahre ich uns nach Hause.

Es gibt, wie bereits erwähnt, Tage, an denen ich keine Mittagspause eingeplant habe. Diese sind in der Regel kürzer, sodass wir früher zuhause sind. An solchen Tagen unterrichte ich Nachhilfekinder in unserer Wohnung.

Nach der Arbeit

… ist vor der Arbeit! Sind wir zuhause angekommen (und muss ich keine Nachhilfe geben), kommt Rosa wieder auf ihre Kosten. Ohne Zeitdruck können wir dies Abendrunden deutlich mehr genießen. Manchmal treffen wir uns mit Freunden und gehen gemeinsam spazieren. An anderen Tagen gehen wir alleine, machen Canicross oder genießen das Draußensein im Garten.

Und dann ist Rosas Lieblingsmoment des Tages da! Es gibt Futter! Als ehemalige Straßenhündin ist alles, was mit der Nahrungsaufnahme zu tun hat, ein absolutes Highlight.

Den restlichen Abend ist dann Entspannung angesagt. Jan und ich kochen für uns und legen uns danach aufs Sofa. Natürlich darf Rosa mit dazu kommen! Später am Abend geht sie dann noch einmal vor die Haustür, ehe sie das Sofa neben unserem Bett einnimmt. Bis der Wecker wieder klingelt. Um 4:50 Uhr.

Dem Hund gerecht werden

Rosa lässt sich im Taubblindenzentrum verwöhnen, Februar 2016

Schon seit Ewigkeiten hat es keine Momente mehr gegeben, in denen Rosa – wie in Part 2 beschrieben – wie ein getretener Hund ausgesehen hat. Morgens steht sie voller Begeisterung parat, wenn sie mit nach draußen und somit mit zur Arbeit kommen darf. Sie hat sich wundervoll an meinen Arbeitsalltag angepasst, kommt überall schnell zur Ruhe und genießt die Auszeiten, die wir über den Tag verteilt miteinander erleben.

Ich denke, dass man nicht jedem Hund mit diesem doch recht stressigen Alltag gerecht werden kann. Fast stündlich wechseln wir den Arbeitsplatz und fahren mit dem Auto von A nach B. Bei Rosa bemerke ich jedoch, dass sie vor allem glücklich ist, wenn sie bei mir ist (und das beruht auf Gegenseitigkeit!) und sie unglaublich schnell entspannen kann. Von daher nehme ich sie stets mit einem guten Gefühl mit zur Arbeit.

Wie das in der Praxis aussieht, möchte ich im letzten Teil der „Blogparade in der Blogparade“ beschreiben. In Part 4 soll es darum gehen, wie eine gemeinsame Therapieeinheit aussehen kann.

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

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