Hund und Job – wie geht das? Part 2 [miDoggy Parade]

Im ersten Teil der „Blogparade in der Blogparade“ ging es darum, wie ich in meinem Leben die Voraussetzungen geschaffen habe, dass ein Hund bei mir einziehen konnte. Mit 26 Jahren hatte ich die finanziellen, zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten, einen Hund zu halten. Und vor allem konnte Verantwortung tragen und entspannt mit schwierigen Lebenssituationen umgehen, die bekanntlich auch mit Hund auf einen zukommen.

Aber nicht nur ich musste mich beweisen: auch Rosa musste einige Eigenschaften mit sich bringen, die essentiell dafür sind, dass ein gemeinsames (Arbeits-) Leben funktioniert. Reicht es, dass sie Menschen liebt – egal ob groß oder klein – und sich gerne beschmusen lässt oder muss sie noch mehr können?

Die Voraussetzungen an den Hund

Tiefenentspannung auf Hausbesuch, Mai 2015

Rosa ist kein ausgebildeter Therapiehund. Und es ist auch nicht mein Anliegen, einen solchen aus ihr zu machen. Sie begleitet mich schlichtweg bei der Arbeit und erfreut somit den ein oder anderen meiner Patienten. Außerdem bin ich froh, dass ich sie an meiner Seite habe, und Rosa ist froh, dass sie mich an ihrer Seite hat. Eine Win-Win-Win-Situation also.

Schon im Voraus war mir klar, dass hierfür einige Aspekte wichtig sind, die ich an dieser Stelle aufzählen möchte:

  • Rosas Wohlbefinden steht an erster Stelle! (Stress & Angst gehören keinesfalls zum Arbeitsalltag)
  • es muss möglich sein, dass Rosa stundenweise alleine bleibt, z.B. im Büro
  • andere Patienten und Therapeuten dürfen nicht gestört werden, sei es durch Unruhe, Bellen etc.
  • Rosa muss auch in unbekannten Situationen gelassen bleiben (Rollstühle, Rollatoren, Aufzüge, …)
  • sie muss problemlos im Auto mitfahren (da ich viele Hausbesuche mache)

Die Eingewöhnung

Per Skype wird das Alleinebleiben überwacht, März 2015

Für eine schleichende Einarbeitung hatten wir keine Zeit. Rosa zog an einem Sonntag bei mir ein und bis Donnerstag hatten wir frei. In diesen fünf Tagen trainierten wir das Alleinebleiben. Ich ließ sie immer mal für 30 Minuten alleine, kehrte dann in die Wohnung zurück, ohne ein großes Ereignis daraus zu machen, und lobte sie für das brave Warten. Das war schon einmal das Wichtigste: ein Hund, den ich auch problemlos alleine lassen kann.

Fairerweise muss ich aber sagen, dass Rosa es mir wirklich leicht gemacht hat. Das Alleinebleiben war von Anfang an kein Thema.

Zum Glück bin ich in meinem Beruf in der Lage, meine Termine eigenständig zu planen. Somit war Rosas erster Arbeitstag sehr kurz und wir führten direkt eine Routine ein: nämlich dass wir vor und nach der Arbeit eine große Runde (4-5 km, also in etwa eine Stunde) spazieren gehen. Auch hatten wir anfangs immer feste Zeiten für Mittagspausen.

Der Gehstock stellt keine Gefahr mehr dar, März 2015

Aber zurück zum ersten Arbeitstag: Körperlich ausgelastet konnte es losgehen. Ich atmete tief durch, blieb gelassen und führte Rosa selbstbewusst an ihren neuen Job heran. Der erste Termin war bei einer Schlaganfall-Patientin. Kurz erkundete Rosa deren Zimmer und als sie verstand, dass wir erst einmal bleiben würden, legte sie sich auf ihre Decke. Wow!

Lediglich als die Patientin ihr mit dem Gehstock zu nahe kam, sprang Rosa kurz auf und beäugte das Prozedere den einen Moment. Dann war es auch schon wieder gut.

An diesem ersten Arbeitstages lernte Rosa schon viel – unter anderem, dass ich sie dort, wo ihre Decke liegt, auf jeden Fall wieder abhole. So wartete sie auch im Büro, als ich in der Praxis zu tun hatte.

Eine komplette Arbeitswoche

Die „Chefin“ hat Rosa als Teammitglied voll akzeptiert, April 2015

Nachdem Rosa beim Probearbeiten keinen meiner Patienten gefressen hatte, durfte sie die kommende Woche in Vollzeit mitkommen. Unter anderem in das Taubblindenzentrum. Meine Patienten dort wickelte sie sofort um die Pfote. Nach einigen ausgiebigen Streicheleinheiten fiel Rosa auch hier in einen entspannten Schlaf und ließ sich von den ungewohnten Geräuschen der Behindertenwerkstatt nicht stören. Sie vertraute mir voll und ganz.

Dennoch hatte ich nach einigen Arbeitstagen Zweifel, dass es Rosa wirklich gut ging. Im Büro legte sie sich zwar auf ihre Decke, war aber unruhig und sprang immer gleich auf, wenn jemand herein kam. Zwischenzeitlich wirkte sie auf mich wie ein „getretener Hund“ und ich machte mir Sorgen um sie. Immer wieder reflektierte ich ihr Verhalten und war bemüht, nicht aus lauter Egoismus Rosas Wohlbefinden hintenan zu stellen oder in irgendeiner Weise zu ignorieren. Ich war doch so froh, endlich einen Hund zu haben!

Die Lösung des Problems war dann absolut simpel: Rosa bekam das Recht eingeräumt, das Sofa zu besetzen! Tja und anstatt nun aufzuspringen, sobald sich etwas im Büro regte, musste ich stets meine besten Überredungskünste anwenden, um sie am Ende des Arbeitstages davon zu überzeugen, mit mir Feierabend zu machen.

Beobachtung und Reflexion

Mittlerweile ist Rosas erster Arbeitstag über zwei Jahre her und sie ist schon ein „alter Hase“, was unsere Zusammenarbeit angeht. Ich kann mich immer und überall auf sie verlassen, dennoch behalte ich sie immer genau im Auge, denn ich möchte sie vor Situationen, die ihr Unbehagen bereiten könnten, bewahren.

Im Taubblindenzentrum, April 2015

Im Alltag reflektiere ich ihr Verhalten mittlerweile vollkommen automatisch. Ich kann einschätzen, wann sie ihre Auszeiten braucht und wann es in Ordnung ist, dass sie mich begleitet. Ihr Wohl steht bedingungslos an erster Stelle.

Und natürlich reicht es nicht aus, dass Rosa ein Hund ist, der sich gerne beschmusen lässt und Menschen liebt. Sie muss vor allem Vertrauen in mich haben und wissen, dass ich sie keiner gefährlichen Situation aussetze. Und dass sie dieses Vertrauen hat, zeigt sie mir jeden (Arbeits-) Tag aufs Neue.

Wie ein typischer Arbeitsalltag bei uns aussieht, gibt es demnächst in Part 3 zu lesen.

••• Du folgst uns noch nicht auf Facebook? •••
Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.