Flugpatenschaft – Aufbruch ins neue Leben?

Es ist Frühling und Ostern steht vor der Tür. Für viele heißt das: Sachen packen und ab in den Urlaub, häufig sogar per Flieger. Unsere letzte Flugreise ist ebenfalls nicht lange her, denn im Dezember waren wir in Sri Lanka. Nach Flugbuchung stand sofort fest, dass ich mich als Flugpatin anbieten würde. Eigentlich eine stressfreie Angelegenheit… Eigentlich! Denn letztendlich musste ich viele Nerven in Asien lassen. Und eventuell auch Tilly, die Straßenhündin, die so sehnsüchtig in Deutschland erwartet wurde?

Ich verfolge die Facebook-Gruppen „Flugpaten – Animal flight companion“ und „Flugpaten gesucht!“ schon länger. Genauer genommen, seit ich einen solchen Paten für Rosa hätte gebrauchen können. Da sich Anfang 2015 jedoch kurzfristig niemand gefunden hatte, bin ich selbst nach Alicante geflogen, um meine Pibalina nach Deutschland zu holen.

Rosa in ihrer Transportbox beim Boarding, März 2015

Flugpatenschaften bieten die Möglichkeit, Tiere (zumeist Hunde und Katzen) auf dem Ticket eines Reisenden nach Deutschland zu holen, ohne dass für diesen Kosten entstehen. Um die Organisation, also darum, dass das Tier ausreisefertig ist und auf das Ticket gebucht wird, kümmert sich der Tierschutzverein. So gibt der Flugpate den Hund lediglich als Sperrgepäck auf, führt die Reiseunterlagen mit sich, nimmt das Tier am Zielflughafen in Empfang und übergibt es dann an eine Person vor Ort.

Das kleine Päckchen

Im November stand also fest: „Wir fliegen nach Sri Lanka!“ und mein Flugpatenangebot folgte prompt. Tatsächlich meldete sich eine Deutsche, die mit einem Tierschutzverein in Sri Lanka zusammenarbeitet. Da jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keine ausreisefertigen Tiere in Aussicht waren, bat man mich, Medikamente für das Tierheim vor Ort mitzunehmen.

„…ein kleines Päckchen mit circa 2 kg allerhöchstens…“

Anstatt des angekündigten  Päckchens, erreichte mich wenig später ein 5,5 kg schweres Paket. Alleine die Medikamente, inklusive einiger Flaschen Silberwasser, wogen knapp 3 kg. Der Rest waren Leckerlis und Tierfutter. Die Extras müsse ich nicht mitnehmen, sollte es zu schwer werden, wurde mir gesagt. Dann wurde entschieden, dass das Silberwasser nicht mitsolle.
(Das Hin und Her begann und welchem Leser es jetzt schon zu viel wird, der kann eventuell am Ende des Artikels nachvollziehen, wie es mir ergangen ist.)

Sri Lanka. Ein schlafender Hund im Schatten eines Autos. Das Fell ist stumpf und voller Narben.

Etwas später wurde ich gefragt, ob wir noch 13 kg Gepäck für zwei Hundeboxen frei hätten, die wir mit nach Sri Lanka transportieren sollten. Meine Antwort lautete, dass ich es frühestens beim Packen sehen würde, welches ich für das Wochenende vor dem Abflug geplant hatte, ich aber davon ausgehe, dass wir nicht mehr so viel Freigepäck hätten.
Laut meiner Kontaktperson „kein Problem“ und es sei nur wichtig, „nicht erst am letzten Tag“ Bescheid zu geben.

„Nicht viel“ Bargeld in der Tasche

Eine Woche später wurde eine weitere Bitte an mich herangetragen: zwei CDs, ein Halsband und eine Leine sollten noch mit. Und man wollte mir Geld überweisen, welches ich bitte in bar in Sri Lanka abgeben solle. Die Rede war von „nicht viel“, maximal 400,- €. Ich stimmte diesem zu, betonte aber weiterhin, dass die Hundeboxen und das Futter vermutlich in Deutschland bleiben würden.

„Tuk tuk“, so nannten wir diesen von Räude befallenen Rüden, der uns kilometerweit auf einer Wanderung begleitete.

Mittlerweile hatte man neben einem Hund auch zwei Katzen angekündigt, die mit uns nach Frankfurt fliegen sollten.

Die Sache mit den Transportboxen wurde einige Tage später ein weiteres Mal angeschnitten. Genauso tags darauf – noch immer weit vor dem angekündigten Packen. Nebenbei wurde erwähnt, dass aus den 400,-€ mal eben 1355,-€ geworden seien, die ich in bar mitführen sollte. Mich störte weniger, so viel Geld mit mir rumzuführen, als vielmehr, dass ich vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.

Am gleichen Abend wurde weiter gedrängelt. Natürlich wegen der Boxen. Es wären ja maximal 13 kg bei einem Gesamtgewicht von 60 kg für zwei Personen. FALSCH. Da wir mit Emirates in der günstigsten Klasse geflogen sind, hatten wir gemeinsam nur Freigepäck von 40 kg.
(Dies ist eine Neuerung seit Juni 2016 und wurde mir erst nach der Aushändigung von Screenshots geglaubt.)

Diesen Welpen konnte ich davor bewahren, von Menschenmassen zertrampelt zu werden.

Das zweite kleine Päckchen

Einige Tage, nachdem mir mitgeteilt wurde, dass das „kleine Päckchen“ mit „nicht viel Inhalt“ zu mir unterwegs wäre, kam dieses an. Ein Überraschungspäckchen! Denn neben der angekündigten Sachen, die gut 600 g wogen, befand sich noch OP-Besteck (Klammern, Scheren, Pinzetten) dort drin, welches über 400 g wog.

Was blieb mir übrig, als alles mit Humor zu nehmen? Summiert kam ich auf ein Gesamtgewicht von 2869 g OHNE Futter und Leckerlis. Darin enthalten waren: die Medikamente, das Buch, die CD, die Leine und das OP-Besteck.

Ein dreibeiniger Hund hat das Glück, Futter bekommen zu haben.

Leider war die Kontaktperson weniger entspannt: Ich solle doch bitte klare Ansagen machen und es stresse, dass ich noch immer nicht wisse, was ich mitnähme. Sprachlosigkeit. Klare Ansagen? Die fehlten immerhin mir gegenüber! Und so langsam schwand auch der Gedanke an Urlaub und Erholung, denn dieser ging in einem Haufen Stress unter.
Anstatt Verständnis zu zeigen, war sie nun beleidigt. Bis auf die Medikamente, „die sehr leicht sind“, die CD und das Buch (alles zusammen „vielleicht 1 kg“, tatsächlich aber 2279 g) sollte ich plötzlich alles zurücksenden. Auch die Katzen sollten umgebucht werden.

Das dritte Päckchen

Da ich ja für gewöhnlich nett bin, versprach ich schließlich, alles mitzunehmen. Auch so viel Futter, wie eben reinpasste.

Die Kinnlade fiel mir dann aber schon am Folgetag runter: ein weiteres unangekündigtes Päckchen! Diesmal von einer unbekannten Absenderin und voller Spritzen zum Implantieren von Chips.
Dass es mittlerweile 1555,- € statt 1355,- € in bar waren, machte den Kohl übrigens auch nicht mehr fett.

In Kandy: alles, was ich in meinem Rucksack für das Tierheim mitgeschleppt habe.

Sri Lanka – endlich Urlaub?

Mein Gepäck war unglaublich schwer, da wir tatsächlich alles unterbringen konnten. Zum Glück war die Übergabe bereits für den zweiten Tag geplant. Wir fuhren hierfür eine halbe Stunde Bus zum Botanischen Garten. Die Tierheimleitung kam auch dorthin. Mit 30 Minuten Verspätung.

Am Ende dieses Tages kamen wir zurück zu unserer Unterkunft und ich stellte fest: ich hatte vergessen das Buch und die CD abzugeben. Im folgenden Chatverlauf folgte keinerlei Dank.

Mich ärgerte das Verhalten ungemein, zumal ich auch wenig Lust hatte, Buch und CD zwei Wochen als Extragepäck im Backpack mit mir rumzuschleppen. Genauso wie 750,- €, mit denen ich die Transportbox für den Hund am Flughafen bezahlen sollte.

Immerhin hatten wir zwei schöne Wochen in Sri Lanka und ich wurde erst am Tag vor der Abreise wieder kontaktiert: „Du musst in Dubai anrufen!“ – bitte was?! Das Einbuchen der Tiere funktionierte nicht. Einige SMS mit privaten Daten wie Geburtsdatum, Telefonnummer etc. später war dann aber alles in Ordnung und ich musste nicht in Dubai anrufen.
Wir verabredeten uns für den Abflugtag drei Stunden im Voraus.

Ich muss nicht sagen wer pünktlich da war und wer nicht, oder? Eineinhalb Stunden später kam die Tierheimleitung. Allerdings nur mit einem Hund, ohne Katzen. Weitere Strapazen wurden uns dann aber erspart und die Hündin Tilly überstand den langen Flug von Sri Lanka nach Deutschland.

Endlich gelandet: Tilly mit ihrem glücklichen Frauchen und mir (rechts)

Das Fazit

Die glückliche Zusammenkunft von Tilly und ihrem neuen Frauchen entschädigte für alle Strapazen. Ich habe vor und während der Reise unglaublich viele Nerven gelassen, dennoch werde ich mich nächstes Mal auf jeden Fall wieder als Flugpatin anbieten. Und ich kann dies nur jedem ans Herz legen. Allerdings empfehle ich, KLARE ABSPRACHEN groß zu schreiben.

Ich hoffe jedoch auch, dass dies nur ein negativer Ausnahmefall war.
Übrigens warte ich bereits seit Ende Januar darauf, dass mir das Porto zurücküberwiesen wird, welches ich für die Rücksendung des Silberwassers gezahlt habe. Nach dritter Erinnerung bekam ich genau heute zu hören, dass es „lächerlich“ sei. Was genau? Keine Ahnung!

„Saving one dog will not change the world.
But surely for that one dog, the world will change forever.“
(Karen Davison)

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

 

2 Antworten auf „Flugpatenschaft – Aufbruch ins neue Leben?“

  1. Wow! Was für ein Abenteuer… Ich find es ganz schön frech von der Orga immer so Kleckerlesweise mit Informationen anzuschlappen und dir immer mehr aufzubürden. Da kriegt man ja das kalte Grausen. Die wussten doch sicher, dass du Backpacker bist.

    Aber schön, dass es dir nicht den Urlaub und vor allem deine Hilfsbereitschaft vermiest hat. Die kleine Tilly wird dich sicher nicht vergessen.

    Flauschige Grüße
    Sandra und Shiva

    1. Hallo Sandra und Shiva, ja, Tilly geht es in ihrem neuen Zuhause gut. Die Orga / organisierende Person hat meinen Beitrag leider nicht einmal im Ansatz verstanden. Beschimpfungen folgten aber mehr ist nicht zu erwarten gewesen… LG

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