Himmelfahrt im Elbsandsteingebirge

ESDT. Zugegeben, mit diesem Kürzel haben wir nichts anfangen können, als wir im November 2016 an der Harz-Dogtour teilgenommen haben. Ziemlich schnell wurden wir dann aber aufgeklärt: ESDT steht für „Elbsandstein-Dogtrekking“, ein Hundeevent in Sachsen/Nordböhmen, welches scheinbar alle Teilnehmer zum Schwärmen brachte. Es blieb dieser Region nichts anderes übrig, als sich in unseren Köpfen festzusetzen.

Ein halbes Jahr später wurde mir das Elbsandsteingebirge dann ins Gedächtnis gerufen: Wir wollten zu Jans Geburtstag über Himmelfahrt wegfahren. Am liebsten in die Alpen – für knapp vier Tage sind diese jedoch zu weit weg. Also buchten wir spontan eine Unterkunft nahe der Deutsch-Tschechischen-Grenze. Und nun kommen auch wir nicht mehr aus dem Schwärmen raus!

Allgemeines über das Elbsandsteingebirge

Rosa bei der Kipphornaussicht, im Hintergrund die Elbe

Der Name ist selbsterklärend: es handelt sich um ein Mittelgebirge, welches sich am Oberlauf der Elbe befindet und überwiegend aus Sandstein besteht. Zwei Länder teilen sich diese grandiose, stark zerklüftete Felsenregion: Deutschland (Sachsen) und Tschechien (Nordböhmen).
Ihre Fläche beträgt circa 700 km² und der „Hohe Schneeberg“ bildet mit 722,8 m n.m. den höchsten Gipfel, der sich in der Böhmischen Schweiz befindet. Die höchste deutsche Erhebung ist der „Große Zschirnstein“ mit 561 m ü. NHN.

Die Bezeichnungen Sächsische und Böhmische Schweiz stammen von den Künstlern Adrian Zingg und Anton Graff, die 1766 in Dresden verweilten und sich im Elbsandsteingebirge an ihre Heimat, den Schweizer Jura, erinnert fühlten.

Das Prebischtor

Besucher des Gebirges können sich an einer abwechslungsreichen Landschaft erfreuen: riesige Waldflächen gehören genauso zum „Nationalpark Sächsische/Böhmische Schweiz“ und den Landschaftsschutzgebieten wie Schluchten, Tafelberge und Ebenen.
Als Top-Sehenswürdigkeit gilt in der Sächsischen Schweiz die Bastei mit der Felsenburg Neurathen und in der Böhmischen Schweiz das Prebischtor, die größte natürliche Sandsteinfelsbrücke in Europa. Das Elbsandsteingebirge hat aber weitaus mehr zu bieten, weswegen sich eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Region lohnt.

Die Reisezeit

Ganzjährig wunderbar oder vielmehr „ganzjährig wanderbar“ – damit wirbt die Sächsische Schweiz und lässt somit jedem Reisenden offen, wann für ihn die beste Zeit für einen Besuch im Elbsandsteingebirge ist. Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: da sollte für jeden etwas dabei sein!

Die Kirnitzschtalbahn

Mit der Idee, das lange Himmelfahrtswochenende für einen Besuch zu nutzen, waren wir nicht alleine. Die Situation auf den Wanderwegen glich teilweise einer Völkerwanderung, was nicht zuletzt der Grund war, die Bastei (als absolutes „Touri-Highlight“) für einen späteren Besuch aufzuheben. Wir wanderten aber auch immer wieder auf Wegen, auf denen wir nur hin und wieder anderen Menschen begegneten.

Grundsätzlich gilt: geht man auf Reisen, sollte man für jede Wetterlage gewappnet sein. Funktionell sollte es sein und für den Notfall ist regenfeste Kleidung im Gepäck sinnvoll.
Jan, Rosa und ich hatten mit dem Wetter viel Glück: zu keinem Zeitpunkt unseres Aufenthaltes fiel Regen und der Himmel wurde von Tag zu Tag klarer. Wir erreichten Höchsttemperaturen von 30° C, wobei diese im Schatten der Wälder und mit einer leichten Brise wirklich angenehm waren.

Die Unterkunft

Die Burg Stolpen

Zwanzig Tage vor Anreise eine bezahlbare Unterkunft mit Hund zu finden, gestaltete sich aufgrund des Reisezeitraumes als etwas schwierig, dennoch wurden wir über eine Internetplattform fündig. Für vier Nächte buchten wir uns in die Wanderunterkunft des Gästehauses „Locanda al Castello“ in Stolpen ein.

Stolpen liegt mit dem Auto knapp 30 Minuten vom Nationalparkzentrum Bad Schandau entfernt. Nach Dresden fährt man eine knappe Stunde. Tipp: in Dresden kann man im Globetrotter auf 6.200 m² und vier Etagen nach Lust und Laune – oder was der Geldbeutel hergibt – shoppen!
Die Stadt Stolpen ist nicht nur sehr idyllisch gelegen und ragt aus der Landschaft markant empor, sie ist mit der Burg, alten Gebäuden und dem Marktplatz auch wirklich sehenswert und lädt zum Schlendern ein.

Die Wanderunterkunft bot, als wir dort waren, Platz für bis zu fünf Personen (zwei Etagenbetten, ein Einzelbett).  In der Woche nach unserem Aufenthalt wurde die Bettensituation in unseren Augen positiv verändert: es gibt nun ein Einzel- und ein Doppelbett und somit Platz für bis zu drei Personen. Die Wohnung besteht des Weiteren aus einem Aufenthaltsraum mit Küche (spärlich aber ausreichend ausgestattet), einem Wohn-/Schlafbereich (TV) und einem Badezimmer (DU/WC).

Unsere Unterkunft in Stolpen

Leider haben wir bei der Buchung übersehen, dass sich die Wohnung im Souterrain befindet und so verbrachten wir die Abende im dunklen Keller. Dass unsere Laune eben dort aber nicht war, lag daran, dass in der Unterkunft ein angenehmes Klima herrschte, die Möglichkeit bestand, einen Grillplatz am Haus zu nutzen, und wir zum Wandern in die Region gekommen waren – nicht zum Verweilen in der Wohnung. Leider bedeutete Souterrain aber auch: schlechter Internetempfang. WLAN war ebenfalls nicht vorhanden, was in unseren Augen wirklich ein großes Manko darstellte, da wir unsere Wanderrouten per App geplant haben.

Die Sauberkeit entsprach leider ebenfalls nicht unseren Ansprüchen, war aber noch akzeptabel. Der sehr nette Vermieter hat unsere konstruktiven Kritikpunkte aufgenommen und einige davon bereits umgesetzt.
Kosten: 161,- € (inkl. Plattformkosten, Handtücher, Bettwäsche, Leihfahrräder), 20,- € Endreinigung und 16,- € Kosten für den Hund. ~ 25,-€/Person/Nacht.

Die Verpflegung

Brötchen im eigenen Beutel

In Stolpen befinden sich zwei Supermärkte: ein Netto Marken-Discount und ein PENNY-Markt. Brötchen haben wir bei „Göhler’s Feinbäckerei“ gekauft. Wenn die Bäckerei sonn- und feiertags geschlossen hat, bekommt man frische Brötchen an der freien Tankstelle.

Aus welchen Gründen auch immer werden die Brötchen bei Göhler’s in Plastiktüten herausgegeben. Der Umwelt zuliebe sollte man also einen eigenen Beutel mitbringen.

An drei von vier Abenden haben wir in unserer Unterkunft gekocht, am letzten Abend kehrten wir im Gasthaus „Goldener Apfel“ ein, welches uns von zwei Einheimischen empfohlen wurde. Das Essen war gut, hat uns sprichwörtlich aber nicht vom Hocker gehauen.

Getrockneter Hering für Rosa

Wer es gerne urig mag, sollte dem Gasthaus „Zur Garküche“ einen Besuch abstatten und dort in Anwesenheit der Ortsansässigen ein Bier trinken. Wir wurden mit Hund sehr herzlich aufgenommen und haben uns wohl gefühlt.

Unser Tagesproviant war abwechslungsreich und bestand unter anderem aus belegten Brötchen, Obst, Müsliriegeln, Würstchen, Knäckebrot und Getränken. Auf einigen unserer Wanderrouten war eine Einkehr möglich.

Und für den Hund? Die Unterkunft hatte ein ausreichend großes Gefrierfach, sodass ich Rosas Rohfleischfütterung ohne Probleme fortsetzen konnte. Für die Wanderungen gab es getrocknete Heringe und natürlich ausreichend Wasser.

Die Unternehmungen

Da wir zum Wandern ins Elbsandsteingebirge gekommen sind, haben wir die Tage genau damit verbracht. Jede Tour war ein einzigartiges Erlebnis und wurde von in separaten Blogbeiträgen beschrieben. An dieser Stelle gibt es daher nur eine grobe Übersicht der vier Wanderungen:

  • Route 1: Beuthenfall – Kuhstall (Felsentor) – Himmelsleiter (circa 19,5 km)
  • Route 2: Nasser Grund – Wilde Hölle – Carolafelsen – Häntzschelstiege – Kleiner Kuhstall (circa 12,3 km)
  • Route 3: Hřensko – Edmundsklamm – Mezná – Gabrielensteig – Prebischtor (circa 22,5 km)
  • Route 4: Schmilka – Kipphornaussicht – Zeughaus – Goldsteinaussicht (circa 15,7 km)

Die Hundetauglichkeit

Es ist kaum verwunderlich, dass das ESDT wiederholt für so viel Begeisterung gesorgt hat. Die Auswahl an Wanderwegen ist unglaublich (oder unendlich?) und die meisten Touren sind absolut hundetauglich. Selbst bei 30° C hatten wir es angenehm, da es viele schattige Waldwege gibt. Wir liefen größtenteils über Sand- oder Erdboden, nur wenige Passagen waren steinig.

Für Rosa und mich bot das Elbsandsteingebirge jede Menge Herausforderungen. War Rosa am Anfang noch recht unsicher beim Überwinden von Felsspalten, wurde sie von Tag zu Tag trittsicherer und mutiger, wobei sie eine gesunde Portion Vorsicht behielt.

Zusammen Abenteuer erleben

Die „Wilde Hölle“ und das Umklettern des Häntzschelstiegs waren dabei die Abschnitte, die am meisten Mensch-Hund-Vertrauen und Adrenalin eingefordert haben. Hier hat sich eine gute Ausrüstung bewährt!

In den Nationalparks herrscht Leinenpflicht aber ich gestehe, dass ich Rosa bei den Kletterpassagen zu ihrer und meiner Sicherheit abgeleint habe. So konnte sie sich ihren eigenen Weg über die Felsen suchen.

Wie überall ist es selbstverständlich, Menschen und Tieren gegenüber Rücksicht zu nehmen. In einem Naturschutzgebiet soll immerhin die Natur geschützt werden. Rücksicht heißt auch: die Hinterlassenschaften des Hundes zu entfernen.

Die Einreisebestimmungen

Warten auf den Kahn in Tschechien

Wer mit Hund in die Böhmische Schweiz nach Tschechien einreisen möchte, muss den EU-Heimtierausweis mitführen und eine gültige Tollwutimpfung nachweisen können. In öffentlichen Verkehrsmitteln und an öffentlich zugänglichen Plätzen herrscht ein Leinen- und Maulkorbzwang.

Info: Rosas EU-Heimtierausweis lag über 400 km entfernt im heimischen Regal und einen Maulkorb besitzen wir nicht. Obwohl in der Edmundsklamm nach einem „Beißkorb“ gefragt wurde, wurden wir ohne Weiteres in den Kahn gelassen. Ich garantiere für nichts aber die Tschechen vor Ort waren sehr freundlich und verständnisvoll.

Die Hundeausrüstung

Neben den üblichen „sieben Sachen“, die man (frau) für den Hund einpackt, war bei dieser Reise vor allem die Outdoor-Ausrüstung wichtig. Uns persönlich hat folgendes Equipment begleitet:

  • Free Motion Harness H-Back Zuggeschirr von Non-Stop Dogwear
  • Running Line von Non-Stop Dogwear
  • Running Belt von Non-Stop Dogwear
  • 2 Solid Booties von Non-Stop Dogwear
  • GPS-Tracker von Tractive, der auch im Ausland hervorragend funktioniert
  • Halsband + kurze Fettlederleine
  • Wasserflasche „Highwave AutoDogMug“
  • kompostierbare Hundekotbeutel von BioBag
  • Kokosöl als äußerlicher Zeckenschutz für Mensch & Hund

Mein Fazit

Da kann man nur ins Schwärmen geraten

Ich habe es oben schon vorweg genommen: wir kommen aus dem Schwärmen nicht mehr raus! Und für uns steht ganz klar fest, dass dies nicht der letzte Besuch im Elbsandsteingebirge gewesen ist. Eventuell zieht es uns ja bereits im nächsten Jahr zum 3. ESDT erneut dort hin.

Die Möglichkeiten, welche die Sächsische und Böhmische Schweiz bieten, sind schier unendlich. Es gibt noch viele Orte, die wir gerne mit Rosa erkunden möchten. Dann allerdings zu einem (hoffentlich) weniger überlaufenen Zeitpunkt, wobei uns die Menschenmassen nur den Samstag nach Himmelfahrt wirklich gestört haben (Wanderung zum Prebischtor).

Obwohl unsere Unterkunft in Ordnung war, würden wir sie nicht noch einmal buchen, da uns das Internet für die Routenplanungen doch sehr wichtig ist und es uns im Keller zu dunkel war. Zum Gästehaus „Locanda al Castello“ gehören jedoch noch weitere Wohnungen, die wir uns definitiv anschauen werden, denn Stolpen als Ausgangspunkt empfanden wir als ideal.

Wer sich also unschlüssig ist, wo der nächste (Kurz-) Urlaub hingehen soll, dem empfehlen wir hiermit ausdrücklich das Elbsandsteingebirge.

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben
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2 Antworten auf „Himmelfahrt im Elbsandsteingebirge“

  1. Wow, was ein Erlebnis, was für tolle Momente, was für eine Erfahrung ❤️
    Die Routenplaung hat dann aber trotzdem irgendwie noch geklappt oder ?

    1. Ja, Jan hatte am Fenster 4G und hat mir dann einen Hotspot eingerichtet. Aber gemütlich auf der Couch sitzen und planen war nicht.

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