StrongDog Dogduathlon Scooter

Eigentlich machte die Teilnahme am StrongDog Hunde-Outdoor-Festival für uns keinen Sinn. Ich hatte bloß den Sonntag zur freien Verfügung und über drei Stunden Autofahrt für die An- und Abreise ergaben, obwohl es natürlich machbar war, keinen Sinn. Doch dann änderte sich die Situation und ich bekam die Möglichkeit, das Wochenende zu verlängern. Kurzerhand verschaffte ich mir einen Überblick der Wettbewerbe, die am Sonntag stattfinden sollten, und meldete Rosa und mich für den Dogduathlon Scooter. Nur wenige Sekunden später fragte ich mich ernsthaft: „*******, was habe ich getan???“

Als Zughundesport-Fanatikerin wäre es für mich wirklich eine Schande gewesen, keine Festivalluft zu schnuppern. Elf Wettbewerbe standen in der Ausschreibung: Triathlon, Duathlon, Marathon, Hike, verschiedene Canicross-Läufe, Natural Dog Diving, SUP Challenge, Staffel und Kinderlauf. Das Event fand zwischen dem 08. und dem 10.06.2018 am Lütsche Stausee in Thüringen statt und der Veranstalter war Der Hundling. Rosas und meine Disziplin, der Dogduathlon Scooter, bestand aus ca. 4 km Dogscooting und ca. 2 km Canicross. Gemeldet waren bei diesem Wettbewerb acht Teams.

Die Vorbereitung

Die gesamte Saison über hatten Rosa und ich bereits intensives Dogscooting betrieben und waren unglaublich viel mit dem Husky-Team-Lügde unterwegs. Von kurzen bis zu langen Distanzen (25 km) war alles dabei, meistens fuhren wir abends im Dunkeln und entdeckten immer neue Strecken. Die Grundkondition im Dogscooting war also vorhanden. Allerdings sollte es beim Dogduathlon laut Annick Busl, der Organisatorin, anstrengend werden: „Es geht bergauf und bergab.“ Ihr ultimativer Trainings-Tipp lautete „Höhenmeter trainieren.“ Alles klar! Ich freute mich einmal mehr, im Weserbergland zu leben.

Ab Meldung am 02.05. trainierten wir sechs Mal an unserem Hausberg, dem Eichberg. Zu früher Stunde und teilweise laut singend (aus Angst vor Wildschweinen) absolvierten wir dann etwa 7,5 km mit einem Anstieg von etwa 140 Höhenmetern. Wir verbesserten unsere Zeiten und schafften es vor allem, uns beim Anstieg durchzubeißen und nicht zu stoppen (abschnittsweise musste ich den Scooter joggend schieben). Dann mussten wir das Training jedoch etwas zurückschrauben, weil die Temperaturen selbst morgens schon zu warm waren. Aber für uns bedeutete das keinen Stress, immerhin hatten wir keine Gewinn-Ambitionen, sondern wollten nur Wettbewerbs-Luft schnuppern und uns nicht komplett blamieren. Das Ziel war: Spaß haben und wenn möglich ankommen.

Spontane Planänderung

War der Plan zunächst, am Sonntag ganz früh gen Thüringen zu fahren, änderte sich dieser und wir machten uns bereits Samstagnachmittag auf den Weg. Und das auch nicht, wie geplant, mit meinem Auto, sondern mit dem meiner Moa. Ich hatte zuvor bereits mit Linda (Der Hundling – Oberfranken) ausgemacht, zu ihr und den anderen auf den Stellplatz zu kommen, denn der Veranstaltungsort war Oberhof Camping am Lütschestausee. Nach einer staufreien Fahrt kamen wir also munter (und nach dem großen Gewitter) an und bauten unser Zelt auf. Es sollte Rosas erster Campingtrip werden. Obwohl ich Linda bis dato nur einmal beim StrongDog wild & dirty NORTH getroffen hatte und sonst nur über Facebook kannte, war das Verhältnis gleich freundschaftlich. Auch von den vielen anderen Zughundesportlern in unserem Camp wurde ich herzlich in Empfang genommen und wir waren uns alle direkt sympathisch.

Da wir nun also schon früher vor Ort waren, konnten wir noch die Dogscooting-Strecke ablaufen. Für mich und meine Nerven war dies goldwert: zum einen stellte ich fest, dass der Eichberg vom Anstieg her heftiger war, zum anderen schien die Region sehr wildreich zu sein, denn Rosa war extrem aufmerksam, was für ihre Zugmotivation von Vorteil war. Zu guter Letzt kannte ich nun den Trail und musste keine Angst haben, dass wir uns verfahren. Auch die Wechselzone (Dogscooting – Canicross) wurde mir noch einmal erklärt und keine Fragen blieben offen. Dennoch war ich natürlich aufgeregt und schlief in der Zeltnacht nicht ganz so fest wie Rosa, die sich wie immer tiefenentspannt zeigte.

Vor dem Rennen

Früh morgens ging es direkt zu Jette, die mittlerweile eine gute Bekannte ist und die man auf diversen Veranstaltungen antrifft. Sie war als Tierärztin tätig und überprüfte mit ihrem Team die Mikrochips, die Impfungen und die Gesundheit der Hunde. Auch gab sie allen Startern auf den Weg, dass diese vor allem auf die Hunde achten sollten (was für mich natürlich selbstverständlich ist). Es gehe immerhin nicht ums Gewinnen, sondern um das gemeinsame Erleben mit dem Hund. Sowieso! Und überhaupt wollte ich mit Rosa nur glücklich heimkehren.

Bei der Anmeldung gab es noch den Transponder und dann besuchten wir das Sportlermeeting, wo die letzten Fragen geklärt wurden. Dann kehrten wir noch einmal ins Camp zurück, um das Equipment vorzubereiten: Schuhe fest schnüren, Scooter zusammenbauen, Hund einkleiden, Helm aufsetzen, … auch die ersten Starter des Dogduathlon Bike wurden beobachtet und noch einmal beruhigten sich meine Nerven ein wenig: zwar flogen ein paar Teams über den Trail, doch es gab auch ganz gemütliche Starter, bei denen es nach einer Nachmittags-Gassirunde aussah. Dogs first, kein falscher Ehrgeiz! Super!

Das Rennen

Das erste Dogduathlon-Scooter-Team startete exakt um 9:01 Uhr und Rosa und ich folgten als Starter Nummer 6 um 9:06 Uhr. Ich war froh über die Bedingungen: der Himmel war bedeckt und bis kurz vorm Start hatte ich tatsächlich noch meine Jacke an. Pflichtbewusst lief ich Rosa etwas warm, dehnte sie und startete die GoPro, ehe wir aufgerufen wurden. Als die letzten 45 Sekunden vor dem Start angebrochen waren, fiel mir noch rechtzeitig auf, dass ich Rosa in der ganzen Aufregung an der Canicross-Jöringleine befestigt hatte und nicht am Dogscooter. Ich atmete tief durch, behob den Fehler und dann wurden wir auf den Trail geschickt. 5, 4, 3, 2, 1 – Go, go, go, go, go……

Mit einer halben Sekunde Verzögerung sprang Rosa ins Geschirr und galoppierte los. Unter meiner Anfeuerung lief sie die gerade Strecke – natürlich tatkräftig von mir unterstützt. Die erste Schwierigkeit bestand dann darin, die mit feinem Schotter aufgefüllte Pfützen zu passieren, in denen die Reifen des Dogscooters versanken. Das raubte ordentlich Kraft! Bereits zu Beginn des ersten steilen Anstieges wurden wir von der späteren Siegerin überholt. Aber wenn wir eins trainiert hatten, dann Höhenmeter! Wir bissen uns durch, Rosa zog konstant und ich lief, den Scooter schiebend, nonstop den Berg hoch. Tschakaaa!

Als der Weg wieder flach wurde, überholten wir drei Teams und beim nächsten heftigen Anstieg noch einmal eins. Was war ich stolz auf Rosa! Nicht etwa, weil wir ein paar Teams überholt hatten (darum ging es mir nicht – einige der Teams überholten uns auch wieder), sondern weil Rosa so sauber überholt hatte. Sie hörte 100% auf meine Kommandos (Rechts/Links) und ignorierte die anderen Hunde komplett.

Trotz kurzer Trinkpause am höchsten Punkt hatten wir uns unsere Kräfte nicht perfekt eingeteilt: Kurz lief Rosa noch motiviert vor dem Scooter, dann nahm sie aber das Tempo raus und lief nicht mehr im Zug. Sicherlich hätte ein „Profi“ gewusst, wie man die Kraft besser einteilt, doch ich bin froh, dass wir die gesamte Strecke bergauf so gut unterwegs gewesen sind. Wir machten langsam und hatten Glück, denn bergab rollt der Scooter ja von alleine.

Tatsächlich ließ ich mir in der Wechselzone bestimmt 30 Sekunden Zeit, um in Ruhe meine GoPro vom Helm zu schrauben, damit ich auch beim Canicross filmen konnte. Auf der kurzen Runde um den Campingplatz lief Rosa neben mir und kam nur noch einmal in den Zug. So liefen wir auch nebeneinander ins Ziel, aber das war mir egal. Wir hatten es geschafft! Ich hatte einen knallroten Kopf, während Rosa schon nach wenigen Minuten nicht mehr hechelte. Verrückt!

Mit dem ADAC ins Ziel

Zurück am Camp ruhten wir uns kurz aus, wollten dann aber Linda & Co. bei ihren Starts anfeuern. Rosa wollte ich nicht alleine am Auto lassen, also holte ich sie aus dem Kofferraum und schloss diesen, nur um danach festzustellen, dass der Schlüssel im geschlossenen Auto lag. Ein typischer Zissi-GAU, der einmal mehr die ADAC-Plus-Mitgliedschaft rechtfertigte. Ich durfte also den gelben Engel über den Trail lotsen, wobei ich vor dem Auto herjoggte und tatkräftig von Zuschauern angefeuert wurde, denen wohl gar nicht aufgefallen war, dass ich gar keinen Hund dabei hatte! Long story short: der gelbe Engel wurde zu meinem persönlichen Helden, indem er – nicht zuletzt durch Lindas und meine McGyver-Fähigkeiten – den BMW aufbekam. Schreck lass nach!

Den restlichen Tag genossen wir die Stimmung vor Ort, packten unser Zeug zusammen und besuchten um 12:00 Uhr die Siegerehrung. Die große Überraschung hatte ich zuvor schon vernommen: von den acht Startern belegten Rosa und ich den dritten Platz (bei den Frauen den zweiten Platz von sieben Starterinnen) in einer Zeit von 29:29,03 Min. Ich platzte beinahe vor Stolz! Meine kleine spanische Straßenhündin hatte uns aufs „Treppchen“ gekämpft. Wer hätte das gedacht? Ich mit Sicherheit nicht!

Das Fazit

Nach dem StrongDog wild&dirty NORTH war der Dogduathlon der zweite Wettbewerb, bei dem Zeit gemessen wurde, und unser erster Dogscooter-Wettbewerb überhaupt. Ich habe das erreicht, was ich mit Rosa erreichen wollte und hatte am Ende einen glücklichen Hund, der genüsslich seine Medaille verputzt hat (und noch einige Wochen von dem Gewinn zehren kann). Die Stimmung war mal wieder super, was sicherlich nicht zuletzt an der sehr guten Organisation lag. Wir haben viele nette Hundeleute getroffen, wobei wir erneut alte Bekannte gesehen haben aber auch neue Kontakte knüpfen konnten. Nur die Stände der Aussteller habe ich nicht zu Gesicht bekommen, beziehungsweise frühmorgens beim Vet-Check nicht wahrgenommen. Besser für das Portemonnaie war das aber allemal!

Wir ließen den Tag bei Linda in Oberfranken mit selbstgemachten Kässpatzen ausklingen, unterhielten uns noch stundenlang, machten ein Nickerchen, bespaßten die vielen Hunde und genossen das After-Event-Gefühl. Das Hunde-Outdoor-Festival hat mir eine vor Stolz geschwollene Brust und ein riesiges Grinsen auf dem Gesicht beschert. Wenn alles passt, werde ich Rosa und mich 2019 erneut melden, doch bis dahin freuen wir uns auf den StrongDog wild&dirty NORTH im Oktober 2018.

Wie immer danke ich allen, die uns dieses Event ermöglicht und unvergesslich gemacht haben: Jan, der mir den Crussis Cross unter den Tannenbaum gestellt hat, meiner Moa, die mir ihr Auto zur Verfügung gestellt hat, Linda & Co., die uns so herzlich aufgenommen haben, Annick und ihrem Team für die Organisation, den vielen Helfer und natürlich – und ihr gilt der größte Dank – Rosa, meinem Seelenhund.

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

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