Projekt: 300 Schritte in die Natur

300 Schritte in unserer geliebten Heimat. 300 Schritte – nur ein Bruchteil dessen, was wir sonst gemeinsam gehen. 300 Schritte und ein erschreckendes Resultat.

Rosa und ich haben es gewagt und genauer hingesehen: anstatt den Blick über die Felder und Wiesen schweifen zu lassen, haben wir Anfang Februar 2017 in die Gräben am Straßenrand geschaut und all‘ das aufgesammelt, was dort nichts zu suchen hat. Und das Ergebnis macht uns traurig…

Rosa lebt mit mir in einem 100-Seelen-Ort im schönen Weserbergland. Wir wohnen direkt am Ortsrand und auf den vier Straßen unseres Dorfes könnte man zelten, scherzen wir seit jeher. Es ist ruhig hier, man kennt sich und gegen nichts möchte ich dieses Plätzchen Erde eintauschen.

Ein asiatischer Elefant auf einer inoffiziellen Müllkippe in Sri Lanka, Dezember 2016

Ende des Jahres 2016 war ich mit meinem Freund Jan für zwei Wochen auf Sri Lanka. In Erinnerung ist uns vor allem der viele Müll geblieben. Unseren ersten asiatischen Elefanten sahen wir auf einer Müllkippe. Nachhaltig leben dort nur wenige. Der Familienvater schmeißt sein Bonbonpapier aus dem fahrenden Zug und die Tochter tut es ihm gleich. Erschreckend! Der heiligste Berg der Buddhisten, der Sri Pada: nicht viel mehr als eine große Müllhalde.

Aber wie sieht es bei uns aus? Wie sauber und nachhaltig leben wir?

Mit Handschuhen und Mülltüte bewaffnet geht es los

Mit Müllsack und Handschuhen bewaffnet ging es am Nachmittag hinaus, vom Ortschild aus 300 Schritte „in die Natur“ und bereits nach wenigen Schritten sammelten wir den ersten Müll ein: Plastikschilder von den Sträuchern an unserem Zaun. Sofort befiel mich ein schlechtes Gewissen und ich entfernte die Schilder, die noch an den Pflanzen waren, um sie zu entsorgen. Aber weitere Schritte folgten und mehr Müll sammelte sich in meinem Sack. Es waren vor allem auffallend viele leere Zigarettenschachteln und Kippen. Hoch im Kurs standen auch Verpackungen – ob vom Schokoriegel, von Bonbons oder Kosmetikprodukten.

​​Eine zerfetzte Strumpfhose lag verteilt an drei verschiedenen Orten und ich war nur froh, dass aus dem kompletten Müllsack, den ich aus dem Gebüsch zog, kein Verwesungsgeruch strömte. Nein, keine Frauenleiche, dafür aber gemähtes Gras. Es ist vielleicht noch verständlich, dass jemand für das bisschen Grünschnitt nicht zehn Minuten Auto fahren möchte, um dieses dort kostenlos (!) zu entsorgen – aber es sollte doch wohl möglich sein, zumindest den Sack zu entleeren und nicht einfach so liegen zu lassen…?

Der Verwesungsgeruch hätte dann aus der Supermarkttüte strömen können, die ich wenig später fand. Dort drin befanden sich Schweine-Nackenkoteletts. Wie kommt jemand auf die Idee, seinen Müll einfach so im Gebüsch abzuladen?

Während meiner 300 Schritte in die Natur habe ich zum Glück keine Scherben aufsammeln müssen. Aber ich weiß von unseren Spaziergängen, dass es in anderen Grabenabschnitten reichlich Flaschen, Alufolie und Essensreste gibt. Obwohl wir so ländlich, quasi mitten in der Natur leben, gibt es so viele Gefahren für unsere Haustiere und die Wildtiere, die sich diesen Lebensraum mit uns teilen. Und diese Gefahren entstehen einzig und alleine durch uns Menschen: Wunden durch Glasscherben, das Verschlucken von Plastikteilen, das Aufnehmen von Essensresten…

„Gut geht, wer ohne Spuren geht.“
(Laozi, chinesischer Philosoph, lebte im 6. Jahrhundert v. Chr.)

Das Ergebnis von #300SchritteInDieNatur

Meine Hoffnung ist, dass wir als Menschen weniger Spuren der Zerstörung hinterlassen. Ich wünsche mir, dass das Bewusstsein, etwas fachgerecht zu entsorgen, häufiger gegenüber der Bequemlichkeit siegt.

Vielleicht mag der ein oder andere uns bei unserem Projekt unterstützen und sich die Zeit nehmen, 300 Schritte in die Natur zu gehen und aufzusammeln, was dort nicht hingehört. Vielleicht schaffen wir es so, noch mehr Bewusstsein für unseren Lebensraum entstehen zu lassen.
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#300SchritteInDieNatur

Natürlich dürfen es auch mehr als 300 Schritte sein. Rosa und ich danken euch. <3

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Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben

4 Antworten auf „Projekt: 300 Schritte in die Natur“

  1. Tolles Projekt,
    Sowas Ähnliches hatte ich auch schon im Kopf und wollte das monatlich anstoßen. Vom sammeln ist basteln ja nicht allzu weit entfernt 😉
    Es ist wirklich unfassbar was alles weggeworfen wird und welchen Raubbau der Mensch mit der Natur vornimmt.
    Wir haben schon einiges gesammelt und ich türme es die Tage liebend gerne für deinen Hashtag auf.
    Super Initiative!
    LG Danni

    1. Das freut mich sehr <3 Eventuell gehe ich demnächst mal wieder durch die Gräben. Februar ist ja nun auch schon wieder etwas her. Wobei ich hoffe, dass es nicht erneut so viel ist!

  2. Ich finde dein Projekt spitze u auch ich kann es nicht begreifen warum der Mensch nicht seinen Müll vernünftig entsorgen kann.Mir ist es auch unbegreiflich und es macht mich traurig wie viele Menschen die Natur nicht wertschätzen. Ich habe auch schon manche bösen Blicke o Kommentare von Menschen geerntet ,die ihren Müll einfach aus dem Auto geschmissen haben weil ich sie darauf angesprochen habe. Aber ich kann bei sowas auch nicht vorbei schauen. Deine Idee werde ich hier bei uns auf dem Land mit meinen Hunden auch mal umsetzen 👍
    Lg Alexandra

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